Auf und davon.

Wir waren gefangen, hatten Angst, uns fehlte der Mut. Der Mut zu Entdecken, zu Verstecken, zu allem zu wenig. Wurden gestoßen, durch all die Straßen und Gassen und Wege dieser Welt, ohne Halt und Rast. Fanden uns wieder, an Orten, so fremd. Haben uns verloren, aus den Augen, ohne Sinn. Ich spüre dich nahe, du immer bei mir, habe ich geschworen und belogen uns beide. Ich sitze nun hier, an Wände gelehnt, mit dem Kopf nur gen Himmel, den Regen erwartend. Nichts anderes verdienend, am Ende der Kraft.


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Ich möchte wachsen, möchte ankommen, an diesem Punkt. Am Ende des Wartens, ohne dir, nur mit uns beiden. Ich atme fest ein und kaum wieder aus, möchte mich ersticken mit zu viel Luft. Möchte aufs Atmen vergessen, Sekunden, Minuten. Der Donner, er grollt, doch verfehlt er sein Ziel. Ich spüre das Beben, nur in mir, voller Kraft. Mein Kopf tut mir weh, nur dein Leuchten der Augen, und die Form deines lachenden Mundes. Alles das hält mich wach, denkt an Morgen, an das Beginnen von Vorne.

Dabei will ich doch nur auf und davon. Ausbrechen aus dem Grenzenlosen, mich einsperren im Nirgendwo. Will Erwartungen enttäuschen und Enttäuschungen erhoffen, will Hoffnungen zerstören und an der Zerstörung zerbrechen. Wie sind wir nur hier angelangt, falscher Weg, ich weiß. Haben Kreuzungen verfehlen und Pläne missverstehen wollen. Da stehen wir nun, Hand in Hand, Kopf an Kopf. Auf und davon, nur wir beide. Auf und davon, ich bitte dich. Ich halte es hier nicht mehr aus, hör doch auf. Hör doch auf mich und lass uns verschwinden. Du und ich, wir beide. Auf und davon. Ok?

Jedes Mal, jeden verdammten Abend. [10]

Jalousien. 09122010

Da war dieser eine, dieser leicht betrunkene, etwas trockene Kuss. Dieser eine magische Moment, resultierend aus einer Umarmung, am Ende einer besonderen Nacht. Dieser eine Kuss, der das Tüpfelchen auf dem i sein sollte, der Beginn vom Nichts. Wir haben uns beide belogen und wir haben beide versagt.

Monatelang schon gingst du mir nicht mehr aus dem Kopf, ich genoss die Abende, an denen wir uns sahen, genoss die Gespräche und genoss die Zeit. Wir sahen uns Sterne an, wo keine Sterne waren. Ließen uns zurückfallen, wenn wir mit Freunden nach Hause gingen. Aber zu einem waren wir nicht im Stande. Jedes Mal, jeden verdammten Abend. Komme ich zuhause an, werfe den Schlüssel in die eine Ecke und krame in der anderen nach Zigaretten, die meine Unfähigkeit besänftigen sollen.

Irgendwann kam der Break, weil das Aussichtslose Überhand nahm und weil das Leben weitergehen musste. Unerwiderte Liebe als Jahresprojekte habe ich schon zur Genüge hinter mir und die Zeit läuft und der Unmut wächst. Das muss nicht wieder sein, denn wir haben doch auch noch was anderes zu tun. Anstatt uns in den Armen zu liegen und gemeinsam über Gott und die Welt zu reden. Anstatt unsere Gedanken zu teilen und gemeinsam Kaffee zu trinken. Wir Vollidioten.

Und dann, Monate nach unserem ersten Aufeinandertreffen, den ersten Gesprächen, dieser eine Kuss. Ich wusste schon, dass eine Ära vorüber, ein Ende gesetzt war. Unsere Ära, unser Ende. Du hast es mir dann ein paar Tage darauf erklärt, während Coldplay auf meinem iPod lief. Dass wir zu lange gewartet hätten, und dass, was jetzt kommen würde, nicht richtig sei, und dass es schön war, aber nicht jetzt. Für dich war es wohl mehr als dieser eine Kuss. Für mich war es der Anfang von etwas Unbestimmtem. Ein Bruchteil eines Nichts und nicht mehr. Wir haben beide versagt, erwachsen genug zu sein.