Ich lebe so glückliche Tage.

In Gedanken noch bei ihr und doch des Weges forangeschritten. Die Sonne lächelt mit jedem einzigen Strahl, der es wagt mich wach zu kitzeln. Die Stille des Morgen verkommt unentwegt zu der einen, meiner eigenen Stimme. Jeder Augenschlag, jedes Öffnen und Erblicken der Welt in diesem Schein. Es vermag kaum jemand meine Gefühle zu verstehen. Und doch stimmt es mich traurig, wenn ich nur selten ihren Antlitz unter all den Abertausend anderen heraus erkenne. Wo sind sie nur hingeschritten, all die Tage der Freiheit, die Tage des Lebens. Verloren sind sie und niemand würde es schaffen, mich noch einmal mit all dem Glück zu überschütten.

Der Traum der letzten Nacht. Er lebt den Tag hindurch in meinem Kopf, lässt nicht ruhen oder gibt mir Antwort auf all die Fragen, die quälend meinen Kopf zermalmen. Niemals zuvor wagt‘ ich mein Haupt zu heben, um zu blicken in der Sonne brennendes Gesicht. Wie grün doch die Felder vor mir liegen, so saftig und so ruhig. Kein Wind bläst um mich herum und man könne glauben, dass man in mir den glücklichsten Menschen wiederfinden könne.

Doch wo vermag man denn die dunklen Seiten des Lebens zu verspüren. Wohl kaum in den wundervollen Fragmenten dieser Erde. Der Schmerz lebt nur in der einen, in meiner Brust. Und die größte Aufgabe wurde mir gestellt, kein Leiden hier zu zeigen. Doch ich bin noch der Allerhöchste, der Heilige, bin nicht Gott. Ich behielt‘ mir bei, ein Mensch zu bleiben. Nur so, das schien gewiss, könnt‘ ich den Traum der Liebe fortleben, verspüren dies Gefühl des Unbeschreiblichen. Und ich wär‘ ein Narr gewesen, hätt‘ ich auf dies verzichtet. Verzichtet, nur um göttlich zu wirken.

Drum lass‘ ich mich nieder, schließ‘ meine Augen. Der Duft des nahenden Regens wagte die Flucht in meine Nas‘ und ich blickte nur kurz auf, um ein freundlich‘ Gesicht zu machen. Und manch einer, so unbekannt er mir auch schien, schenkte das, was er zu geben bereit war. Ein Lächeln, voll tiefer Ehrlichkeit. Und nie zuvor verliebt‘ ich mich so in das Leben.

Ein Versuch. Nachdem ich wieder einige Zeit in einem meiner Lieblingsbücher, Goethes Die Leiden des jungen Werther gelesen hatte. Und auch diesmal wieder vollkommen fiktional.