Schmetterlinge.

Foto: Phillip Kalantzis Cope | flickr

„Buchstabiere: Schmetterlinge.“

– „Können Sie das Wort in einen Satz einbauen?“

„Okay. Jedes Mal wenn er sie wieder einmal sah, schlugen die Schmetterlinge Purzelbäume in seinem Bauch. Und auf sein Gesicht setzte sich ein Lächeln, was er nur schwer verbergen konnte und es in Wahrheit auch gar nicht versuchte. Und er atmete tief ein, kurz aus und fasste Mut, nur um ihn Sekunden später wieder zu verlieren. Aber die Schmetterlinge, die blieben. Und mit all seinen Gedanken und den wunderbaren Gefühlen fütterte er sie, wobei sie immer noch weiter wuchsen und es schließlich immer schlimmer wurde. Das Kribbeln in seinem Bauch wurde sein täglicher Begleiter und tapsend, der Schwerelosigkeit nahe, lebte er so wundervolle Tage, voll Frühling und Sonne und genussvollem Nichtstun und herausfordernden Aufgaben. Und ließ es sich einfach nur gut gehen, mit ihr und ohne ihr. Und manchmal, wenn er ganz leise war und irgendwo auf einer Wiese oder in einem Bett lag und selbst sein iPod endlich mal schwieg, da hörte er sie flattern, die Schmetterlinge. Und schon setzte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Und doch freute er sich jedes Mal wieder, wenn sie sich sahen, und wenn sie lachte, nur für ihn und die Nähe ihre Distanz verlor. Und manchmal, wenn er richtig leise war und die Schmetterlinge in seinem Bauch für ihn verstummten, da horchte er ganz genau hin. Und er glaubte, auch bei ihr so etwas wie ein Flattern zu bemerken.“

„O-o-. Okay. Schmetterlinge also. S-M- … ach, verdammt!“

Es sind Momente wie diese.

„Komm, nimm meine Hand. Es ist rutschig hier.“

Der Regen verunstaltete den Weg zu einem großen Feld aus Matsch und Schlupflöchern. Er hatte fast vergessen, dass noch jemand mit ihm unterwegs war, aber natürlich. Sie war mitgekommen, als er sich plötzlich dazu entschloss, durch den Regen spazieren zu wollen. Und selbst die Tatsache, dass er nicht mal annähernd irgendeine Kleidung für dieses Wetter bei sich hatte, hielt ihn von seinem Entschluss nicht ab. Und da gingen sie nun dahin, die Wolken über ihnen herziehend. Als Sommerregen würde man es heute nicht mehr bezeichnen, viel zu kalt waren die Tropfen und viel zu windig die Nacht. Er nimmt die ihm entgegengestrecke Hand.

Es sind Momente wie diese. In denen er genießt, dass trotz großer Gefühle die gemeinsame Freundschaft so wunderbar und einzigartig ist. Dass da ein Mensch ist, auf den man sich verlassen kann, der eben auch solche Wege mit einem gemeinsam geht. Und andererseits macht er sich immer und immer wieder die Gedanken, ob da denn nun mehr ist. Ob er seinen Mut zusammenpacken soll. Früher machten ihn solche Momente immer fertig. Da fand man ihm meistens verstört. Aber es sind Momente wie diese. Denn heute fühlt er sich zufrieden damit. Ihm gefällt die Zweisamkeit, egal wie die Gefühle bei ihr aussehen. Er will nicht zuviel verändern an diesem Leben. Viel zu schön sind die Stunden und Tage und Nächte, die man miteinander verbringt.

„Oh.“

Es hatte zu regnen aufgehört.

Eben.

photocredits: Peter Kaminski | flickr

In höchsten Höhen.

Menschen lieben es, von der Ewigkeit zu sprechen. Und so verspricht man sich. Für Menschen, deren Anerkennung man sich hart verdienen, deren Liebe man sich Tag für Tag neu erarbeiten muss. Es hat niemand verdient, dass man ihm ewige Liebe schwört. Ich hasse die Ewigkeit. Sie hat einfach rein gar nichts mit der Realität zu tun.

Hätte ich den Mut, zu sagen, was ich denke, dann hätte ich mir zumindest eine Träne von ihr erwarten dürfen. So viel Überwindung hätte es mich gekostet, mich dies zu trauen. So häufiges Stottern hätte ich in Kauf genommen, um die Worte richtig in den Mund zu nehmen. Aber es wird wohl nichts mit der Träne. Nichts mit Mut.

Jetzt ist es die Stille und Tocotronic, die mich tragen. Ins Land der Träume und auch wieder zurück.

Ich liebe es zu fallen. Denn man muss erst einmal in höchste Höhen vorgedrungen sein, um richtig fallen zu können. Und egal, aus welchem Grund der Stoß nach unten erfolgt, die Tatsache, es so hoch geschafft zu haben, müsste ganz einfach Trost genug sein. Fallen gehört zum Leben dazu. Zur Realität. Und wenn man sich mit der Tatsache abgefunden hat, tief zu fallen, um nur irgendwann wieder einmal aufzustehen, dann hat man sie endlich kapiert. Dann kann man endlich mit ihr umgehen.

Ewigkeit. Hm.

Die Ewigkeit besteht. Aber einzig und allein im Kopf und nicht im Herz. Scheiß auf all die Abdrücke, die Menschen hinterlassen haben, auf all die Brocken, die man möglicherweise unglücklich verschenkt hat. Der Kopf vergisst viel langsamer als das Herz. Und selbst wenn das Herz bereit ist, erneut zu fallen, schwirren im Kopf noch die Gedanken des letzten Stoßes irgendwo herum. Vielleicht wird die Realität erst hirnlos wirklich lebenswert. Herzlos darf sie auf keinen Fall werden.

Ich befinde mich gerade wieder am Aufstieg. Erklimme einen Höhenmeter nach dem Anderen. Alles fühlt sich gut an, und so vieles richtig. Natürlich gibt es so manches Hindernis, so manches Hirngespinst. Aber wenn man mit sich im Reinen ist, kann es womöglich etwas werden. Von ganz alleine. Ohne zuviel nachdenken zu müssen und ohne an Erinnerungen hängen zu bleiben. Und vielleicht bedarf es eben dieser Zufriedenheit mit sich selbst, um ehemalige Ewigkeiten-Idiotien zu beenden um den lange gewünschten Punkt zu setzen.

Genau jener Punkt, der am Satzende fehlte. Genau jener Punkt, nachdem all das Neue lauert.

Weil du es bist.

Habe ich Angst. Lächle ich still. Sehe ich dich nur so lange an, bis du es bemerkst. Und kann danach nur mehr schwer nicht mehr hinsehen. Kann ich nicht darüber reden. Habe ich mich verändert; zum Besseren, wie mir scheint. Muss ich ständig an dich denken. Und wie schön es wäre. Möchte ich dich berühren. Wünsche ich mir Mut. Offensivität. Weg von der Schüchternheit. Liege ich jetzt hier in diesem Bett und denke nach. Über dich, mich, uns. Kann nicht aufhören und will es auch gar nicht.

Weil du es bist.