Ein Versuch.

„Und wenn wir es wenigstens einmal versuchen?“
„Es hat keinen Sinn. Glaub es mir.“
„Aber. Ein Versuch.“

Die Beiden stehen sich ganz nahe gegenüber, jeder Lufthauch des Einen berührt das Gesicht des Anderen. Die Blicken treffen sich beim Schweifen durch den strahlend heißen Himmel.

„Warum aufgeben, bevor irgendetwas begonnen hat?“
„Weil …-“

„Das hättest du nicht tun sollen. Nein. Nicht jetzt.“
„Ich musste es tun.“

Der Kuss hängt noch an seinen Lippen und die sanften Berührungen ihrer Münder behalten noch für einige Sekunden ihre Wirkung. Es ist still hier, in dieser pulsierenden Stadt. Rund um sie herum irren Menschen umher, auf der Suche nach der Zukunft. Auch wenn das wahrscheinlich nur die kommenden fünf Minuten sind. So weit wollen Menschen nämlich gar nicht denken. Die Zukunft macht Angst.

„Du hast Angst, stimmt’s?“
„Mhm.“
„Ich auch.“

Ihre Lippen berühren sich ein weiteres Mal. Ein Angstkuss sozusagen. Sie sieht in seine Augen und erblickt sich selbst wieder. Ratlos stehen sie da, warten auf Anweisungen von oben, die nie kommen werden.

Ein weiterer Kuss noch.  Sie lächelt.

Klon.

Meine Traumfrau
ist ungefähr so wie du.
Das selbe wundervolle Lächeln.
Der Blick, wenn du mich ansiehst.
Die Zärtlichkeit, wenn du mich berührst.
Die Stille zwischen uns.

Sie ist genauso schön wie du.
Eigentlich ist sie wie du.
Du bist sie.

Aber jetzt gilt es nur mehr,
einen Klon zu finden.

Deinen Klon.

Herzpause. [Ein Dialog]

I

Du?
Mhm?
Du. Weißt du, manchmal-.

Hm?
Manchmal, da spüre ich mein Herz nicht mehr.
Wie?
Als würde es einfach aufhören. Zu schlagen. Und mich hier allein zurücklassen.
Oh. Aber-.
Wirklich. Hier. Fühl‘ mal.


Nichts.
Eben.

II

Manchmal, da wünsche ich mir, mein Herz würde nicht mehr schlagen.
Was?
Würde einfach aufhören und alles wäre vorbei.
Ach komm schon. Nein!
Und ich würde noch einmal die Augen aufreißen und würde den letzten Herzschlag mit voller Intensivität verspüren und würde mich in meinem Kopf von dieser Welt verabschieden und dann hört es auf. Für immer.
Sag‘ sowas nicht. Bitte!
Tut mir Leid. Aber denkst die nicht auch öfters daran?
Ans Sterben? Nein.
Echt?
Nein. Nicht so.

III

Du?
Ja?
Halt mich. Bitte.
Was ist los?
Nein. Frag‘ nicht. Halt mich nur. Stell dich hinter mich.
Mhm.
Und lege deine Arme um meinen Bauch. Und deinen Kopf auf meine Schulter.
Ist es gut so?
Ja. Und jetzt lass‘ uns versinken. In diese Stille hier.





Mein Herz hat gerade eben wieder aufgehört.

IV

Geht es dir jetzt besser?
Hm?
Spürst du dein Herz wieder?
Hm.
Du weinst ja. Komm‘. Dreh dich um. Sieh mich an.



Wofür war das?
Um -.
Hm?
Ich wollte probieren ob dein Herz dadurch wieder zu schlagen beginnt. Und?
Fühl‘ mal.
Dachte ich es mir doch.

V

Ich möchte anders sterben.
Hm?
Anders. Nicht einfach mit dem Ende des Herzschlagens.
Und wie sonst?
Durch Fallen.
Durch Fallen?
Ja. Ich möchte eine Schlucht hinabstürzen. Erst wenn niemand mehr da ist, um einen aufzufangen, ist es Zeit, zu sterben. Und dann genießt man die Sekunden bis zum Aufprall und ist genauso innerhalb Sekunden tot.
Hm. Okay. Aber-.
Aber?
Aber du brauchst keine Angst haben. Ich werde dich immer halten, fange dich auf. Du brauchst keine Angst zu haben.
Ich habe kein Angst.
Ich werde immer da sein. Für immer.
Aber nein. Sag‘ das nicht.
Warum?
Ich hasse die Ewigkeit.

photocredits: Je suis Samuel | flickr

Der Punkt. [Auf den alle warten]

Das von mir geliebthasste Magazin, in welches ich anfangs meine größten Hoffnungen und schlussendlich die ärgsten Enttäuschungen stecken musste, fragte via Twitter. „Könnt ihr euch an den Moment erinnern, in dem ihr euch verliebt habt?“ Wahrscheinlich zielte die Frage auf Paare ab, die immer noch glückselig und mit der gehörigen Portion Träumerei durch die Welt wandern. Aber ernsthaft. Wie kann man so etwas nur vergessen. Auch wenn die Beziehung und vielleicht alles drumherum wirklich nicht gut verlaufen ist, der Punkt, an dem man sich verliebt, bleibt doch einzigartig. Ich erzähle euch die Geschichten von drei Mädchen, X, Y und Z. Drei komplett verschiedene Stories.

Mädchen X kannte ich zuvor vielleicht gerade mal ein paar Tage, maximal eine Woche. Und dann fuhren wir, gemeinsam mit ungefähr zwanzig mehr oder minder schrägen (schräg im negativen Sinne) auf einen Ausflug. Nur wenige Kilometer entfernt von unseren Heimatorten. Sie war mir schon von Anfang an ins Auge gesprungen. In diesem Matratzenlager, wo wir einfach nur wir selbst sein konnten, zu sechst lange Nachtspaziergänge machten und unendlich lange Gespräche führten. Das war der Moment, an dem ich mich das erste Mal mid-pubertär verliebte. Die „Beziehung“ hielt einen Monat. Sie machte Schluss.

Mädchen Y kannte ich schon um einiges länger. Sie war es, die es sich traute, die mir mit leuchtenden Augen und erwartungsvollem Blick auf dem Berg, einem großartigen kleinen Hügel mit unglaublichem Ausblick, zu gestehen, dass sie in mich verliebt war. Und ich war es, der es nicht besser wusste. Der zurücksagte, dass es bei ihm nicht so sei, und dass er in jemand anderen verliebt sei (Mädchen X). Und sie waren es auch, die danach nicht mehr voneinander lassen konnten und immer schwankten zwischen ‚Lass uns Freunde bleiben‘ und ‚Lass es uns probieren‘. Und ich glaube, dass, als sie mir ihre Liebe gestand, selbst bei mir schon genug Gefühle da waren, um von Verliebtheit zu sprechen. Hier weiß ich leider nicht, wann genau der Punkt war. Aber ich weiß, dass, als es auseinander ging und wir in die Holprigkeiten des „Nur-Freunde-bleiben“ stolperten, bei mir definitiv von Liebe zu sprechen war. Und von Eifersucht.

Mädchen Z ist euch allen wahrscheinlich bekannt. Meine früheren Texte handelten von ihr. Und unser Kennenlernen und unser Verlieben ist für mich der Inbegriff einer durch und durch romantischen Geschichte. Beinahe schon zu kitschig. Wir haben uns (durch Mädchen Y) zur gleichen Zeit kennengelernt wie Mädchen X. Aufgefallen ist sie mir von Anfang an. Aber erst durch eben einen solchen Ausflug wieder, kam es dazu, dass wir uns immer näher kennenlernten. Als wir stundenlang redeten, uns zu viert an diesen wundervoll kleinen Teich setzten und plauderten, als wir zu zweit spazieren gingen und aufgrund eines Regenbruches nur eine Kapelle uns Platz bot, um im Trockenen zu bleiben. Als wir uns dort niedersetzen, gegenüber. Und über uns, über unser Leben, über unsere Gedanken und die Welt plauderten. Das war der Punkt, glaube ich. Der Punkt an dem ich mich in sie verliebte. Der Punkt, an dem ich zu viel von meinem Herzen hergab, um ungeschoren davon zu kommen.

Interessante Geschichten? Ich weiß nicht. Es sind nur meine drei erzählenswerten Verliebtheiten und auch jene Verliebtheiten, die in etwas mehr waren als einseitig. All diese Dinge passierten innerhalb eines Jahres und vier Monaten. Von 2005 bis 2006. Und wenn man es so wissen will. Ja, seit dem Ende der Beziehung mit Mädchen Z war ich nicht mehr verliebt. Nicht mehr in dieser Art, nicht wirklich. Erschütternd? Vielleicht.

Und gerade ich habe es mir verdient, endlich einmal so geliebt zu werden, wie ich es schon ein (zwei, drei?) Mal erlebt habe. Gerade ich habe es mir verdient, jemanden zu lieben und genau diese Liebe auch wieder zurückzubekommen. Gerade ich, gerade ich möchte mein Herz unnötig verschenken und es mit tiefen, unheilbaren Furchen zurückbekommen. Möchte auf den Boden fallen, nur um wieder aufzustehen. Möchte endlich wieder einmal  etwas erleben.

Ob ich mich einsam fühle? Ja. In diesem Moment, mit Sigur Rós, in einem kleinen Auto auf der Rückbank sitzend, ungefähr ein Bier zuviel, kurz vor dem Schlafen und mit den im Takt antreffenden Regentropfen. Ja. In genau diesem Moment fühle ich mich mal wieder einsam.

photocredits: to01 | flickr

Auch ohne mich. [Ein Abschiedsbrief]

Weißt du eigentlich, wie lange ich dich schon geliebt habe, bevor du mich überhaupt richtig kennen lernen konntest? Du warst immer die Traumvorstellung, die ich immer in mir trug. Wenn mich jemand nach meiner Zukunft fragte, sprach ich immer von dir. Nur von dir und all meinen anderen Träumen, die ich mit dir umsetzen wollte. Jetzt kennen, fühlen, spüren, hören wir uns nun schon seit beinahe 9 Monaten. Und für mich ist der Punkt gekommen, an dem ich gehen muss. Frag‘ bitte nicht. Kein Warum. Kein Weshalb. Akzeptiere es einfach.

Du bist immer noch groß und einzigartig, in meiner Vorstellung. Selbst jetzt, vermischt mit der monatelangen Realität, mit der du mich konfrontiertest, muss ich zugeben, dass du einfach unglaublich bist. Keine Minute kannst du ruhen. Und es dauert lange, um mit dir auch einmal in vollem inneren Frieden ruhig zu werden. Du hast mir neue Horizonte eröffnet und mich nun doch einen ganz wichtigen Schritt in meinem Leben begleitet. Hast mich geprägt, mir so viele neue, wundervolle Menschen vorgestellt. Und mir aber auch deine dreckigen Seiten gezeigt. Den schwarzen Fleck in deinem Herzen.

Nach diesen neun Monaten muss ich mich verabschieden. Und du kannst dir wahrscheinlich nicht vorstellen, wie sehr ich mich schon auf meinen letzten Tag hier freue. Auf den letzten Tag des Junis, dem letzten Tag meines Publizistikstudiums. Jenes Studium, welches ebenso ein Traum von mir war, und welches mich in Rekordgeschwindigkeit als anerkannten und hochgeschätzten Journalisten wieder ausspucken hätte sollen. Auch das hat mich enttäuscht. Vielleicht noch viel mehr als du. War es doch nichts mehr als ein unpersönliches Aussortieren und eine Ansammlung meist unfähiger Studenten. Vielleicht ist das auch nur ein guter Vorwand für mich, um mich von dir zu trennen.

Weißt du … manchmal kannst du so wundervoll sein. Wenn du mit deiner übermäßigen Schönheit prahlst. Dann möchte ich dich festhalten, möchte für immer bei dir bleiben. Aber es geht nicht. Es geht einfach nicht. Viel zu sehr saugst du mich aus, machst mich fertig, und manchmal trittst du auch noch extra auf mich ein, wenn ich schon auf dem Boden liege. Wirklich. Vielleicht ist es dir nur bis jetzt noch nicht aufgefallen. Aber ich will nicht mehr.

Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich habe da jemand Neuen kennengelernt. Sie ist wundervoll. Etwas ruhiger als du. Ach, was sage ich: Beinahe zu still ist sie. Viel natürlicher, viel sanfter. Mit ihr könnte es schön werden. Mit ihr könnte ich leben, zumindest für ein paar Jahre. Ich weiß, das hört sich jetzt wirklich schlimm an, aber ihr zwei seid einfach nicht miteinander zu vergleichen. Du eröffnest mir ungeahnte Möglichkeiten, dein Gegenüber bietet mir einen Platz, an dem ich mich wohlfühle.

Du wirst nicht lange alleine sein. Da bin ich mir sicher. Jemand anderer, der mir gar nicht so unähnlich sein wird, hat sich wahrscheinlich genauso wie ich, schon vor Jahren in dich verliebt. Ich werde schnell ersetzt werden. Und wie du ja weißt, hasse ich diesen Satz. Aber hey … wir könnten doch … ähm, Freunde bleiben? Ich komme dich immer mal wieder besuchen. So kann ich dich auf eine total andere, wahrscheinlich bessere Art und Weise wieder neu kennenlernen. Bist du dazu bereit?

Egal. Ich gebe dir Zeit. Überlege es dir gut. Und wenn genug Zeit vorüber ist, melde ich mich wieder. Sehe mal wieder vorbei. Um nachzusehen, ob es dir eh noch gut geht. Auch ohne mich.

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Ein Remake sozusagen.

Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen. Jede vergangene Liebe ist für mich seit Neuestem (seit diesem Jahr ungefähr) auch wirklich vergangen. Ich bin Single, und dabei auch irgendwie glücklich (obwohl sich diese  beiden Worte nicht lange vertragen). Ich lebe hinein in mein Leben, lasse mich überraschen.

Und hoffe, dass das mit dem Verlieben und den Schmetterlingen irgendwann wieder genau so abläuft, wie es damals war. Voller Romantik und kindlicher Feigheit. Es soll bitte wieder so erinnerungswürdig werden. Denn recht viel schöner hätte es in keiner Liebesgeschichte oder keinem Liebesfilm ablaufen können.

[Ein Remake wünsch ich mir, sozusagen. Nur ein Teil der Schauspielcrew müsste aufgrund ausgetauscht werden.]

Ob der eigenen Vernunft.

Manchmal möchte man – aufgrund der eigenen Vernunft – nur mehr kotzen.
Ich zumindest.

Warum kann man denn nicht einmal all diese Einflüsse aus dem Inneren des Herzens und des Kopfes hinter sich lassen. Die Augen schließen, zu denken aufhören, und einfach nur vor sich hinleben. Es würde doch alles so viel einfacher machen.

Verletzbar machen.

Ich habe übrigens beschlossen, dass, sollte ich mich wieder einmal verlieben, nicht ich damit anfangen möchte. Nicht ich es sein soll, der seine tiefsten Schmetterlingsgefühle von Verliebtheit und Tagtraumfabrik ausschüttet und sich mit einem Mal, auf einen Schlag so furchtbar verletzbar macht.

Die andere Seite soll beginnen. Denn bei mir kann man sich sicher sein, dass all diese Worte nicht fehlgeleitet ankommen. Ich weiß mit so etwas umzugehen. Besteht die Liebe auf beiden Seiten ist es sowieso ganz einfach. Und ansonsten muss ich über meinen eigenen Schatten springen und ein Herz brechen. Aber ich versuche es so sanft wie möglich zu tun. Ich weiß ja nun schon, wie weh so etwas tut. Und sollte das Gegenüber überhaupt nicht reagieren, ist dies für mich ein Zeichen, es ganz einfach zu lassen.

Und wenn es möglicherweise vollkommen eindeutig ist, dann braucht man dazu auch gar keine anfänglichen Worte.

Du zitterst.

Zigarette

Als sich die Nacht um uns verdichtet, deuten nur mehr die glühenden Spitzen unserer Zigaretten unseren Standort an. Jedes Mal, wenn du an ihr ziehst, kann ich dein Gesicht betrachten, nur für einen kurzen Moment. Du zitterst.

Ich würde mich ganz nah zu dir stellen. Würde dich umarmen, mit meinen Armen an deinem Rücken dir Wärme schenken, würde dir durch unsere Umschlungenheit all meine übermäßige Wärme abgeben. Nur damit du endlich zu zittern aufhörst. Und du könntest dich an mich kuscheln, könntest mir mit deinen Händen durch meine Haare streichen. Und mir deine Gedanken, all deine Gedanken ins Ohr flüstern.

Mein nächster Zug erhellt nun mein eigenes Gesicht. Du siehst mich an. Deiner sonst überschwänglichenFröhlichkeit sind Angst, Stille und Dunkelheit nachgefolgt. Nicht einmal deine Hand kann ich halten.

Wir sind uns noch viel zu fern. Obwohl ich mich dir so oft so nahe fühle.