All The Things I’ve Got.

All the things you I need.

Mit einem festen Druck auf die Stirn beginnen. Mit langsamen, festen Bewegungen den Träger meines Wissens leicht massieren. Dabei den ungewaschenen Haaren immer näher kommen. Auf meinen aufgerissenen Lippen herumkauen und mit der anderen Hand über mein unrasiertes Kinn streichen. Leicht genervte Gesichtszüge erkennen lassen. Den Blick zu ungeduldig wirkenden Augen verringern. Das Jucken in den Winkeln versuche ich mal zu ignorieren.

Von außen fällt Licht herein in dieses abgedunkelte Zimmer. Es prallt ab. Zuerst auf das in der Einfahrt geparkte Auto meines Vaters. Und dann tastet es sich langsam bis zu einem meiner vier Fenster vor. Das erste Links, wenn man es von meiner Tür aus betrachtet. Das Einzige ohne Gardinen. Mir Gedanken machend. Das ist jetzt also das Ende. Mhm. Es fühlt sich anders an. Ich fühle mich befreiter. Fühle mich anders. Fühle ich mich gut?

Ich fühle. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und nein, ich habe mich nicht schon wieder verliebt, in eine Person, die schöne große Augen hat, und ein bezauberndes Lächeln. Nein. Und nein, ich warte auch nicht. Viel zu lange habe ich schon gewartet. Von all meinen Verliebtheiten habe ich fast drei Viertel gewartet. Gehofft. Dass alles besser wird. Gefühle und Gedanken auch für das Gegenüber das werden, was sie für mich sind. Wahre Gefühle. Liebe. Erst jetzt fällt es mir so gut auf, dass das alles schon einmal war. Schon einmal, zweimal, nein, dreimal. Dreimal vor ihr war ich ernsthaft verliebt. Immer wieder diese Rückfälle, das Warten und Hoffen und der Bruch. Hier ist er also. Der Bruch. Der Murenabgang, der den Weg, der uns verbindet, versperrt. Vielleicht wird er irgendwann weg sein. Aber bis dahin ist alles anders.

Ich habe jemand Besseren verdient, als dich. Denke ich mir die ganze Zeit. Überlege. Es gibt so viel mehr Menschen, die eine größere Fähigkeit haben, zu lieben als du. Ich frage mich, ob du überhaupt diese Fähigkeit hast. Ich atme diesen Duft ein. Aus meinem Zimmer. Als würde hier irgendetwas vermodern. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Fall. Was mich immer noch zum Schmunzeln bringt, ist deine Aussage: „Ich mag deine Freunde nicht.“. Du hast es nie so wortwörtlich gesagt, es ist sicher kein O-Ton. Aber oft genug hast du mir genau das gesagt. Das Problem: Du hast dich nicht bemüht. Nie hast du dich bemüht. Du wolltest meine Freunde nicht nett finden. Wie so oft. Hast du dich nicht bemüht.

Das hier klingt wie ein weinerlicher Prozess der Abnabelung. Es ist aber viel eher eines der vielen Revue-passieren-lassen-Stadien. Du wirst mir jetzt auch noch immer in meinen Gedanken unterkommen. Aber nicht als die Person die ich bedingungslos liebe. Ich will mir nicht weiter weh tun. Aber es fühlt sich anders an. Es fühlt sich an, wie diese warme Musik. Mit dem zittrigen Cello im Hintergrund. Die Flasche neben mir, nein, kein Alkohol, nur geschmackverzerrtes Mineralwasser, leert sich von Minute zu Minute. Das Lied wiederholt sich zum fünfzehnten Mal. Ich reibe mir die Augen, so müde bin ich. Wie schon jeden Tag in den letzten drei Wochen. Das Bett neben mir, aber die fehlende Motivation vor mir.

Wo war er, der Neubeginn. Nach all den Jahren der Schule. Nichts wurde neu. Alles blieb beim Alten. Erst jetzt fühlt es sich richtig an. Zum ersten Mal seit langem spüre ich einen Schritt nach vorne. Ein Fortschritt auf dem Hundertmeter-Rückwärtslauf. Und mein Kopf fällt langsam zurück. Ich gähne. Viel zu lange und vulgär. Und so tippt mir die Dunkelheit mal wieder auf die Schulter. Freundschlaftlich begrüße ich sie. Aber hey, würdest du jetzt wohl sagen. Was ist schon Freundschaft.

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About the author

Sophia Bennett is an art historian and freelance writer with a passion for exploring the intersections between nature, symbolism, and artistic expression. With a background in Renaissance and modern art, Sophia enjoys uncovering the hidden meanings behind iconic works and sharing her insights with art lovers of all levels. When she’s not visiting museums or researching the latest trends in contemporary art, you can find her hiking in the countryside, always chasing the next rainbow.