
Du siehst nicht glücklich aus. Komm, setzt dich hier her. Nimm meine Hand und spüre sie. Meine Wärme. Meine Kraft.
„Du hast warme Hände“, meinst du zu mir. Ich weiß, möchte ich sagen, doch ich sage nichts. Das Schweigen tut jetzt gerade gut. Du lächelst. Ich sehe deine Augen. Deine tiefbraunen Augen. Und sie sagen so vieles zu mir. Meine Augen möchten antworten. Doch. Sie sind leer. Du leerst.
Ich wärme dich. Die Wärme ist in mir. Doch du. Du schenkst mir so viel. Allein durch deine Anwesenheit. Durch die Kälte, die du ausstrahlst. Bei dir fühle ich mich wohl. Ich lasse meine Hand führen. Sie spürt die deine. Unsere Finger verweben sich. So nah waren wir uns schon lange nicht mehr. Schon lange nicht mehr haben wir uns gesehen. Schon lange nicht mehr haben wir uns berührt. Du fehlst.
Mein Knie zittert. Du versuchst es mit deiner Hand ruhig zu bekommen. Doch sie ist wirkungslos. Du kannst nichts daran ändern, dass ich zittere. Mir ist nicht kalt. Ich zittere einfach nur so. Und manchmal habe ich auch dieses nervöse Zucken des rechten Augenlides. Dir ist es also auch schon aufgefallen. Nein, ich habe es noch nicht lange. Aber es scheint Teil meiner Veränderung zu sein. „Oder auch nur eine psychische Labilität“, plagst du die Worte aus deinem Mund und lachst. Mir ist nicht zu lachen zumute, aber ich mache es trotzdem. Dir zuliebe. Du schmerzt.
Wir sitzen uns gegenüber. Und doch lege ich meinen Kopf an deine Schulter. Einfach, weil er dort hingehört. Du spürst ihn nicht. Aber ich spüre sie. Deine Schulter. Deine Haare kitzeln meine Nase und du hauchst mir deinen Atem in mein rechtes Ohr. Doch du siehst mich an. Ich sitze dir gegenüber. Wir berühren uns nicht. Doch meine Wunschgedanken lassen uns nahe kommen. Wünsche gehen nicht auf Befehl in Erfüllung. Das Leben, die Realität hat noch viel andere Dinge mit uns vor. „Aber rede doch nicht so niedergeschlagen und melancholisch. Das Leben ist schön.“ Für dich vielleicht. Für mich nicht mehr. Es ist anders. Anders schön Und du. Du zerstörst.
Zerstört liegt meine bisherige Lebensplanung am Boden. Ich trete darauf, um nicht daran erinnert zu werden. Du hasst meine Metaphern, das sehe ich dir an. Hasst den Blickwinkel, aus dem ich mein Leben betrachte. Du weißt um meinen Verlust, weißt um mich, und doch weißt du nichts. Dass ich dich liebe, das musst du doch spüren. Dass ich sehne. Dass ich fühle. Dass nichts nach dir und nichts vor dir vergleichbar war. Dass die Welt auch nur einen kleinen Hauch angenehmer werden würde. Das müsstest du wissen. Doch du tust es nicht. Du hasst.
Wir haben uns alle verändert. „Ich habe übrigens den Mopedführerschein.“ Interessant. Ehrlich. Jetzt bist du also auch schon soweit. Es war eine schöne Zeit damals. „So sprich doch nicht immer von der Vergangenheit“, fährst du mich an. Du hast dich im Ton vergriffen, meine Liebe. Aber es ist schon okay. Vielleicht hast du Recht. Es hat sich eben doch so viel verändert. Warum können Dinge nicht mehr so werden, wie sie waren? Warum können außere Wunden so leicht heilen. Doch die Inneren bleiben ewig offen? Du lenkst.
Und ich? Ich liege hier in meinem Bett. Wartend auf das Ende. Oder den Anfang. Warte auf Nähe und auf Geborgenheit. Auf Kälte von dir und Fragen. Auf Liebe und auf den Hauch deines eiskalten Atems. Warte auf den Tag, an dem ich ein weiteres Mal meinen Arm um dich legen darf. Und du mir die Haare aus dem Gesicht streichst. Um mich zu küssen. Oder um einfach zärtlich zu sein. Und ich fühle. Und liebe. Und zehre. Und hoffe. Und schreibe. Und schreie. Und warte. Warte.
Schreibe einen Kommentar