Schlagzeilen.

Die Zeitung wird verziert von den Schlagzeilen des Tages. Ich will gar nicht erst zu lesen beginnen.

Viel zu viel Schlimmes passiert hier. Tag für Tag. Die Bilder erschrecken mich, die Geschichten spornen meine Gedanken an. Ängste werden geschürt und Erwartungen vernichtet. Es hat keinen Sinn, die Zeitung aufzuschlagen. Sie zerstört den Tag schon am Morgen. Ich könnte mir einreden, dass dies alles mich nicht betrifft. Ich kenne diese Menschen nicht, die um sich schießen, die bei einem Autounfall sterben, die zu Tode geprügelt werden. Und trotzdem durchstößt mich manchmal eine kleine, feine Gänsehaut. Gefolgt von minutenlanger Sprachlosigkeit.

Einzelschicksale. Jährlich sterben Hunderttausende von Menschen. Was sind dann diese zehn oder zwanzig, über deren Todesfälle ich in der Zeitung lese. Einzelschicksale. Mehr nicht. Aber jeder wäre ein Einzelschicksal. Es gibt Menschen, die um sie trauern, Menschen, die nicht verstehen können und es auch nicht wollen. Ich selbst war Angehöriger eines Einzelschicksals. Das hat mich vielleicht weich gemacht. Sensibler. Weinerlicher. Einzelschicksale machen betroffen.

Die Zeitungen und Magazine machen das, was den US-Medien nach 9-11 vorgeworfen wurde. Sie schüren Angst. Angst udn Rezessionsgedanken. Der lethargische Max Mustermann sitzt in seiner kläglichen Vier-Zimmer-Wohnung, blättert seine Zeitschrift durch, beginnt die Politik, die Wirtschaft und sowieso alle Menschen zu hassen. Und findet alles scheiße. Wenn man dann fragt, warum das so ist, bekommt man nur die eine Antwort. Schau doch mal in die Zeitung. Es ist wirklich alles scheiße.

Doch sie informieren. Sie erklären einem die aktuelle Welt, erklären einem Dinge, die sowieso niemanden interessieren. Sie sind die Bildung der kleinen, interessierten Leute. Doch viele vergessen, dass sie eigentlich schon vorher eine Meinung zu gewissen Themen haben sollten. Ich lese sie. Lese Zeitungen. So plump ihre Schlagzeilen manchmal sind. Ich werde von ihnen bewegt. In irgendeiner Art und Weise. Und gerade das liebe ich an Texten. Wenn sie Emotionen hervorrufen. Ob nun Sprachlosigkeit, Freude oder eine Gänsehaut.

3 Gedanken zu „Schlagzeilen.“

  1. Ich fand’s krass, dass ein US-Magazin schrieb, Patrick Swayze habe nur noch fünf Wochen zu leben. (Er hat ja Krebs.) Das ist einfach fies. Man stelle sich das nur mal vor — da kämpft man, ist in einer psychisch und physisch extrem belastenden Phase und in einer nicht minder stapaziösen Behandlung… und die Presse erklärt einen für tot. Voreilig und ausserdem unwahr. Bah!

  2. Sowas meine ich. Die New York Post schreibt. Die Leute lesen es. Und glauben alles. Ich habe erst davon erfahren, als alles aufgeklärt wurde.

    Die Presse ist manchmal wirklich … ja, fies. Oder scheiße. Unwahrheiten global zu verbreiten, dass darf einfach nicht sein. Ich weiß nicht … deswegen sehe ich so viel Chance für Blogs. Die geben manchmal die eigene Meinung wieder, manchmal pure Information. Und immer die Möglichkeit, zu kommentieren und Dinge richtig zu stellen. Aber es beeindruckt wie Zeitungen wie Bild (Deutschland) oder Krone (Österreich) die meistgelesensten Blätter ihres jeweiligen Bestimmungslandes werden konnten und es auch immer noch sind.

  3. Zeitungen wie Bild oder Krone (die ich persönlich nicht kenne), setzen auf reißerische Schlagzeilen, Enthüllungsstories und die Einfalt des einfachen Mannes (oder der Frau), darüber zu reden, sich aufzuregen und ihm das Gefühl zu geben, seine Stimme würde gehört. Ob das der Wahrheit entspricht oder nicht, ist erstmal nebensächlich, man kann es ja später richtigstellen.

    Ansonsten glaube ich, dass ich durch all die negativen Meldungen, die täglich durch die Medien gehen, sehr abgehärtet bin. Natürlich mache ich mir beim Lesen meine Gedanken, bin mal erschrocken, mal bewegt und mal erfreut, aber trotzdem habe ich es nach einigen Minuten wieder vergessen. Es scheint ja alles immer so weit weg…

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