In Den Fängen.

„Why does my heart.“ – In der einen Hand das Messer.

Langsam führe ich es näher. Bis es knackst und ein Meer aus Bröseln auf dem Teller zurückbleibt. Eine Semmel habe ich in meiner anderen Hand. Ich lese die Tageszeitung. Mord im Pfarrhaus. Explosionen in der Hand. Steuerhinterziehung und Politikerversprechungen. Verärgert schlage ich sie zu, lege sie beiseite und beginne zu essen.

Was doch nur alles in dieser Welt falsch läuft, denke ich mir. Normal ist das nicht. Aber was ist schon normal. Wieder eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Ein Brösel hat sich zwischen zwei Zähne geklemmt. Zuerst mit der Zunge und dann mit einem Fingernagel versuche ich, es rauszubekommen. Jetzt zu sprechen, wäre ein fataler Fehler. Würde komisch klingen, denke ich.

Das Summen eines fast stehenden Automotors. Als ich aus dem Fenster blicke, blendet mich mal wieder der Schnee. Das kleine bisschen Sonne schlägt sich auf die Schneefläche und schießt ihren hellen Schein hoch zu dem Fenster, an dem ich stehe, aus welchem ich sehe. Bekomme ich Besuch, frage ich mich. Ich bin so gar nicht vorbereitet auf Besuch, das ganze Geschirr ist im Wohnzimmer verteilt, die getragenen Kleidungsstücke liegen herum. Doch nur die Post. Ich setze mich auf die Couch. Die Semmel habe ich schon wieder vollkommen vergessen.

Mir ist kalt. Ich hätte vorhin doch nicht auf den Balkon gehen sollen, um eine zu Rauchen. Die Decke schenkt mir ein kleines bisschen Wärme und der Kerzenschein vor diesem scheinbaren Altar schenkt der Dunkelheit etwas Licht. Ich lasse mich zurückfallen, nur der Polster fängt meine Wucht auf. Mein Kopf rollt zur Seite, die Gedanken schwappen, bis ihre Flüssigkeit wieder waagrecht ist. Und während sie langsam aus meinem Ohr tropfen, beginne ich über das Jahr zu fluchen. Ich benutze Schimpfwörter, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren.

Aber aus dem Augenwinkel heraus erblicke ich wieder die Semmel. So schmackhaft wie es da liegt auf ihrem Teller. Ich richte mich auf, halte mit der einen Hand aufs Ohr und warte, bis sich das Gleichgewicht in meinem Kopf wieder hergestellt hat. Stehe auf und esse einen weiteren Bissen. Nun fällt der Blick aus dem Fenster nicht mehr ganz so schwer. Die Sonne hat sich zu den Bergen am Horizont zurückgezogen. Mit ihren Strahlen streichelt sie all die Nadel- und Laubbäume und senkt sich nieder auf die weiße Fläche. Ein schöner Anblick, eigentlich.

Und plötzlich hascht ein Lächeln über mein Gesicht. Die zwei Katzen tapsen rund um meine Beine herum. Ich bin zu müde, um sie wegzustupsen. Und als ich mich das nächste Mal in den Sessel sinken lasse, denke ich mir. Das hat schon was. Das wird schon. Schön. Und im Gedanken nehme ich all die gedachten Schimpfwörter zurück. Mein Herz schlägt, es ist warm und schmiegt sich an die Rippen. Und in den Fängen der Zeit freue ich mich auf das Jetzt.

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