Still.

Das Ticken der Uhr hindert mich am Einschlafen. Noch einmal stehe ich auf, klettere auf den kleinen Stuhl und entferne die Batterie. Es ist still.

Als ich die Augen zu schließen versuche, bemerke ich, dass die Nacht nicht wirklich dunkel ist. Irgendwas erhellt den Himmel, und als ich aus dem Fenster blicke, kann ich keinen Mond darauf erkennen. Es ist Neumond und auch keine Straßenlaterne leuchtet mir beim Fenster herein. Die Nacht ist nicht dunkel, hellgrau erscheint sie mir. Umrisse der Silbertanne und der Garage meiner Nachbarn erscheinen vor meinen Augen, als ich die Gardinen wieder vorziehe und trotz allem einzuschlafen versuche.

Irgendwann hat er mich dann doch gepackt. Und als ich das nächste Mal wieder die Augen öffne, hat sich das Grau der Nacht in ein Hellblau des Tages verwandelt. Langsam strample ich die Decke von meinem Körper, greife nach der Brille bis ich endlich wieder klar sehen kann. Bekleidet mit Shirt und Boxershort wandle ich durch die neue Welt. Wieder einmal habe ich meine Möbel umgestellt. Setze mich auf meine Couch und schnappe mir eine Zeitschrift.

Die Zeit verläuft. Doch die Zeiger auf der Uhr stehen still. Es ist schön, einen freien Tag zu haben. Und so sammle ich die alten Ausgaben zusammen und packe sie in eine Abteilung meines riesig großen Raumteilers. Ziemlich weit unten habe ich hier mein Archiv dieses Magazins angelegt. Als ich mich wieder aufrichte, blicke ich in die Schneekugel. Mit diesem einen Bild. Aufgenommen an einem sonnigen Tag. Ich würde sie gerne an die Wand werfen, sodass die Flüssigkeit und all der Schneeglitzer an der Wand runter laufen. Doch ich schüttle sie und stelle sie anschließend zurück ins Regal.

Die Gedanken haben mich wieder. Die Gefühle stocken. Ich drehe die Musik auf. Meine Musik, die mich jeden Tag durch die unzähligen Stunden trägt. Überall in meinem Zimmer habe ich mir Chill-Out – Areas eingerichtet. Hier eine Couch, dort eine Matratze am Boden. Zum Chillen, zum Ausruhen bin ich schon lange nicht mehr gekommen. Zu unwohl fühlte ich mich bisher in meinem Zimmer.

Auch jetzt ist es komisch. Keinen ganzen Tag könnte ich da verbringen. Sehne mich nicht nach der frischen Luft, auch nicht nach Kontakt zu Außenmenschen. Doch von vier Mauern eingeschlossen, spüre ich die Angst aufsteigen. Minimal klaustrophobische Ausschreitungen meiner Gedanken. Schweiß, obwohl die Heizung nur wenig aufgedreht ist. Mit der Hand wische ich ihn mir weg.

Und so lege ich mich wieder in mein Bett. Warte. Alle Gliedmaßen von mir gestreckt, lausche ich der Stille. Irgendwann kommt mal wieder die Müdigkeit. Ich schließe die Augen. Vollkommene Stille. Und irgendwann stehe ich auf, stelle die Uhr und lege die Batterie wieder ein. Bis mich das Ticken wieder in den Schlaf begleitet.

8 Gedanken zu „Still.“

  1. mein Einschlafen wird seit einigen Wochen vom Brummen der Lüfter in der Wohnung nebenan begleitet. Seit die Wohnung über der Wohnung neben mir Hochwasser hatte und das an die Wohnung neben mir abgegeben hat, versuchen irgendwelche Monstermaschinen, das Ganze wieder trockenzupusten. und ich träume seit kurzem immer von riesigen LKWs…

  2. Leider ist der Text defintiv fiktional. Hab ihn während der Arbeit geschrieben. Ich kann nur davon träumen frei zu haben. Oder jetzt eben auf das Wochenende hoffen.

    Stef: Kann ich mir vorstellen. Muss ein tolles Gefühl sein. Wobei Schlafen auch nicht zu unterschätzen ist 😉

    Anika: Ähm. Ja. Die LKWs tauchen wahrscheinlich wegen der gewohnten Einschlaflautstärke in deiner Wohnung in deinen Träumen auf. Ähm. 😀

  3. Ähm. Ich überlege gerade, ob ich den Theaterabend sein lasse und nach Hause fahre – ich will gerade nichts mehr als: Schlafen. Ganz lang. Dann geht vielleicht auch der Husten weg. (Um 06:30 Uhr muss ich morgen aufstehen…)

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