Wäre Er Echt.

Der Traum. Ein Leben.

Langsam öffne ich die Augen. Fest in meine Decke eingewickelt wache ich in meinem Bett auf. Das Zimmer ist kalt, die Heizung wieder einmal ausgefallen. Es ist noch dunkel, noch vollkommen schwarz. Nur kommende und gehende Autos bringen Licht. Ich richte mich auf und denke nach. Lasse die letzte Nacht und die letzten Gedanken Revue passieren. Irgendwann überkommt es mich dann, und ich schüttle den Kopf. Strample die Decke von mir weg und zieh mir warme Socken an.

Minutenlang blicke ich den Kaffee vor mir an. Zwei Pillen Süßstoff, viel Milch. Und außerdem automatisch viel Kaffee. Er ist noch zu heiß, denke ich mir. Mir geht das Ganze nicht mehr aus dem Kopf. Hat sich eingenistet und irgendetwas anderes, vielleicht Sinnfreies, vielleicht Nützliches hinausgestoßen. Als ich auf die Uhr blicke, fasse ich noch einmal die Tasse. Trinke in einem Zug die Tasse leer, stehe auf. Putze mir die Zähne und suche noch irgendeine Kleidung zusammen. Ich habe nie darauf Wert gelegt, dass etwas irgendwie modisch aussieht. Schnell habe ich irgendeine Jeans und irgendein Shirt gefunden. Garniert mit irgendeinem Pullover.

Die fast eine Stunde andauernde Autofahrt lässt mich auch nicht ruhen. Die müden Augen, die Gedanken im Kopf und der Versuch, mich richtig auf die Straße und ihren frühmorgentlichen Verkehr zu konzentrieren, lässt einen Strudel entstehen. Nichts kann mehr in meinen Kopf hinein, und nichts geht mehr raus. Dieser eine Abend also. Er bleibt. Und alles was danach war. Alles was in meinem Kopf entstanden war, alles, was so banal und doch nicht so abwägig ist. Nachdem ich angekommen bin, und meinen Platz gefunden habe, blicke ich immer wieder auf die Uhr.

Es muss doch endlich mal vorbei sein. Und alles und überall und irgendwie kommen sie immer wieder, die Gedanken. Jonglieren sich selbst vor meinem geistigen Auge. Und die Pupille zentriert auf dieses einzelne kleine Ding. Keine große Sache und doch gehts nicht mehr raus. Ich bin froh, als ich mir wieder den Schlüssel schnappe und nach Hause fahren kann. Deutscher Indie-Pop erzählt mir etwas von Leben und Sterben. Von Im-Taxi-Weinen und dem Typen vom Balkon gegenüber. Ich ziehe langsam an der Zigarette an, das Fenster ein kleines bisschen gekippt. Um nicht neben dem aktiven Rauchen auch noch passiv getötet zu werden.

Zuhause ist alles gleich. Der ewige Kreisverkehr aus Verständnis und Endnis. Aus „Du musst“ und Verlust. Alles, wie es war. Nur eben anders. Ich versumpfe vor meinem Notebook, zähle die geschriebenen Worte und höre mein Handy vibrieren, um mir einen versäumten Anruf mitzuteilen. Ich ignoriere ihn. Der Media-Player rotiert. Immer und immer wieder diese Lieder. Alles doch nur eingebildet und dieses Bild in meinem Kopf. Es wird Mitternacht. Draußen schneit es nicht, es stürmt nicht, es friert nur. Und ich krabble unter die Decke. Lege mir den Polster zurecht und schließe die Augen. Nur, um zu wissen, dass sich alles morgen wiederholt. Und doch so anders sein wird.

Träume haben die Macht, schier Unmögliches plötzlich möglich erscheinen zu lassen. Man wacht auf, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, und Minuten später erfährt man aus eigener Erkenntnis, dass es doch alles nur ein Traum war. Dieser Traum. Mein Leben.

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