
Die Tür ist geschlossen. Kein Licht strömt herein. Ich suche mir Platz zwischen all den Hemden und Jacken. Ich höre ein Tocken. Schritte wenige Meter von mir entfernt. Ich kauere mich zusammen. In dieser Dunkelheit.
Kreisende Füße. Zehn, nein … zwanzig Zehen auf meinem Fußboden. Blicke. Und das Verschwinden. Ich warte. In der Dunkelheit und tauche ein in die Stille, die wieder Platz gefunden hat. Irgendwann bekämpfe ich noch schnell das Ungeheuer, schließe meine Augen und verlasse den Schutz bietenden Schrank.
Es wäre nichts Schlimmes gewesen. Sie hätten mich wahrscheinlich geholt, weil das Mittagessen fertig ist. Ich habe keinen Hunger. Habe keine Lust unter Leute zu treten. Selbst wenn sie sich meine Familie nennen darf. Ich werfe mich auf mein Bett. Die Sonne erhellt meinen Schreibtisch, wandert über meinen Teppich, berührt Teile meiner Liegestätte.
„Ist man jetzt. Wo man nicht mehr high ist, froh dass es vorbei ist.“ Ich drehe mich auf den Rücken. Das hellblaue Leintuch schenkt meinem Zimmer einen warmen Hauch des Sommers. Der Ahornbaum vor meinem Fenster erlaubte es mir früher immer, hinauszuklettern und mich abzuseilen. Jetzt bin ich schon viel zu müde und zu alt dazu, denke ich. Ich liege hier und warte.
Mein Herz schlägt. Zur Freude aller und doch ist es in solchen Momenten immer anders. Es pocht in meinen Ohren. Der Hals spürt das Schlagen. Und manchmal, immer mal wieder, kommt es aus dem Rythmus. Hört auf. Und ist wieder hier. Vielleicht ist das alles nur Einbildung. Vielleicht ist es aber auch real. Ich könnte mein Zimmer zusperren. Könnte aus dem Fenster klettern. Und einfach abhauen. Doch ich liebe mein Zimmer. Liebe die Stille. Liebe das weiche Bett.
Plötzlich höre ich wieder Schritte und ungewohnt schnell verschwinde ich wieder in den Schrank. Mit der warmen Winterjacke vor dem Gesicht. Meine Zimmertür bleibt geschlossen. Stattdessen geht die Person in eine andere Richtung. Ich möchte die Tür aufdrücken, doch nach wenigen Zentimetern Licht, lasse ich sie wieder zufallen. Ich bleibe noch hier.
Verkrieche mich in die Stille, lasse die Musik in meinem Kopf rotieren. Und höre den Stimmen da drinnen immer aufmerksamer zu. Verstehe den Standpunkt jeder einzelnen Gestalt. Versuche wortlos zu kommunizieren. Die Knie hochgezogen, um richtig Platz zu finden. Und irgendwann schlafe ich ein und verlasse die Dunkelheit für weitere sieben Stunden nicht mehr. Als ich die Türe das nächste Mal öffne, hat sie auch draußen schon wild um sich geschlagen. Die Dunkelheit. Ich werfe mich auf’s Bett und fühle mich wohl. Das Herz ruht. Mit gemächlichem Pochen. Und keine Menschen, die Treppen rauf oder runter, in Zimmer rein oder raus gehen. Nur ich, und die Dunkelheit, und das Pfeifen des Windes am Fenster und ihr.
