It’s Cold.

… when you fade into the wind.

Der Wind lässt den Ast des nackten Apfelbaumes gegen das Fenster schlagen. Wie bei jedem kleinen Unwetter. Ich verkrieche mich immer weiter unter der Bettdecke. Die Dunkelheit, das Geräusch des pfeifenden Windes, das Alleinsein. Alles für sich etwas Schönes, in dieser Kombination hingegen Angst einflößend. Das Telefon ist tot und aus dem Fernseher kommt nur mehr ein Rauschen und viele kleine schwarze und weiße Pünktchen.

Nicht mal ablenken kann ich mich, denke ich mir. Wie sinnlos dieser winterliche Herbstnachmittag doch ist. Wo ich doch hier zuhause so gut wie gar nichts zu tun hätte. Und jetzt auch noch die restlichen Kuchenstücke meiner Familie einfach mal weg sind. Wann sie zurückkommen. Das haben sie mir nicht gesagt. Viel zu wenig haben sie mir gesagt. Und ich liege jetzt hier in meinen Bett, eingekuschelt. In Sorge um meine Familie, und in egoistischer Sorge um mich.

Sollte er mich etwas abheben lassen, der Wind. Sodass ich zum Zauberer von Oz fliegen kann. So ein Abenteuer, wäre es noch ganz neu, ich würde sofort mitmachen. Vor allem, weil mich schon immer die Figur der Vogelscheuche faszinierte. Die doch einfach nur etwas Verstand haben wollte. Und das Blechmännchen auf der Suche nach Herz. Eine zauberhafte Geschichte. Vor allem auch, weil mir die Farben meiner Vorstellung so gefallen haben.

Jetzt ist alles nur grau. Der Himmel erhellt sich für kurze Zeit, ein Blitz sucht sich den Weg zum Boden, das Warten. Mit den Fingern zähle ich die Sekunden, die Kilometer, bis das Gewitter bei uns angekommt. Drei, vier, fünf. Jetzt donnert es auch. Und während ich mich in meinem Bett ausrichte und die Geschehnisse durch das Fenster beobachte, beginnt es zu regnen. Große, dicke Tropfen.

Jedes einzelne Donnern geht mir nahe. Ich zittere fast im Takt der Erschütterung. Irgendwas scheint sich zu lösen. In mir. Dass plötzlich wieder so vieles hochkommt, was ich eigentlich zu verdrängen versuchte, lässt sich nicht stoppen. Unaufhaltsam kehre ich in mich und bleibe, mit den Knien zur Brust hochgezogen, zitternd und wippend liegen. Bis das Unwetter vorüber ist. Bis die Familie wieder vereint ist.

5 Gedanken zu „It’s Cold.“

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