Der Schlag ins Gesicht. Aber so richtig.

Niemand wird sich mehr an diesen einen Eintrag erinnern: We used to be friends befasste sich mit einem Menschen, der in der ersten Klasse Gymnasium zu meinem besten Freund (zumindest was man zu dieser Zeit und in diesem Alter darunter bezeichnete) wurde, und dann wieder wegzog. Seine Geschichte ist schräg, brutal, hart. Mir wäre all das viel zu heftig, was ihm passiert ist. Und ihm war es das schlussendlich auch.

Vor – was weiß ich – zwei Wochen (oder so) warf er sich vor einen Zug oder legte sich auf die Schienen. Ich will keine genauen Einzelheiten haben, mir hat allein schon die Nachricht, dass er das war, zutiefst hinuntergerissen. Er lebte ja seit Jahren wieder hier, wir waren uns wieder einige Male begegnet. Er, immer mit seinem typischen Lächeln, welches er schon als 10 oder 11-Jähriger hatte, und welches mich ungeheim mitriss und mein Gemüt erhellte. Er sitzt nun im Krankenhaus, Bereich Psychiatrie. Der Zug hat ihm einen Arm zerstört, sodass er amputiert werden musste, sein Gesicht ist verletzt.

Es war hart, als diese Person, dieses unpersönliche Wesen, welches Selbstmord begehen wollte, kein Unbekannter mehr war. Sondern eine Person, die ich noch wenige Tage zuvor am See gegrüßt habe. Ein Mensch mit Namen, und mit einer Geschichte, in der auch ich kurz einmal vorkomme. Es war ein Schlag ins Gesicht, als ich diese Nachricht während meines Urlaubes erfuhr. Jeder kannte ihn übrigens irgendwie.

Und ich dachte mir immer nur, was gewesen wäre, wenn wir uns in diesen frühen Jahren nicht aus den Augen verloren hätten. Wenn wir jetzt noch Freunde wären, womöglich beste Freunde. Und besonders brutal wirken nun die Worte aus meinem alten Text: Ich hätte dich vielleicht davor bewahren können.

Ja, verdammt.
Vielleicht hätte ich das.