Zweiter Versuch.

Ein weiterer Versuch des heutigen Morgen.

Der Zug rattert bemerkenswert unruhig. Mehrere hundert Menschen werden dadurch aus ihrem minutiös geplanten Koma geweckt. Überall sammeln sich nervöse Blicke, fragend, was da draußen wohl eben passiert ist. Ich war die ganze Zeit munter. Mit Musik habe ich mich wach gehalten. Doch nun vollführte der Zug die erste Notbremsung meines Lebens. Unbeeindruckt fühlte ich die langsame und unscheinbare Geschwindigkeitsreduktion. Kein Spur von „von 100 auf 0 in 3 Sekunden“. Erst nach einer gefühlten Minute steht die Welt der Zug still.

Für wenige Sekunden herrscht hier absolute Stille. Keine kreischenden Jugendliche mit ihren übertollen Musikhandys, keine schnarchende Pensionistin neben mir. Jeder Tag hat wohl so seine Sekunde, seinen Moment der Stille. Der ganze Zug scheint wach. Ein beuunruhigendes Gefühl. Hat sowas von „28 Days Later“. Großstadtzombies auf der Suche nach … Informationen. Eine alte Dame wagte den ersten Schritt.

Das ist einer der Frauen, wo man sofort weiß, wenn man sie das erste Mal sieht, dass sie der Typus Frau ist, die Männer am Wenigsten ausstehen können. Lady Kommunalklatsch. „Weiß irgendjemand, was da passiert ist?“, wirft sie in die gemütliche, aufgeschreckte Runde. Der Zug steht immer noch. Da alle Leute nur Unwissenheit vorschieben, versuche ich einen Vorstoß zu üben. „Ähm. Vielleicht ein-“ „-Selbstmord.“ Eine unbekannte Stimme hat meine Redezeit überraschend verkürzt und das richtige Abschlusswort gefunden. Erschrockene Gesicher blicken uns an. Aber ich sehe mich nach dieser Stimme um.

Heute früh habe ich seit langem wieder einmal meinen Block und meinen Kugelschreiber herausgekramt und unter der Dauer-Rotation von Pachelbels Canon kamen diese Worte aufs Papier. So sieht er vielleicht aus, der Anfang. Gefällt mir besser als die drei Seiten, die ich bisher niedergeschrieben habe. Mal sehen. Aber klassische Musik wirkt scheinbar Wunder.

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About the author

Sophia Bennett is an art historian and freelance writer with a passion for exploring the intersections between nature, symbolism, and artistic expression. With a background in Renaissance and modern art, Sophia enjoys uncovering the hidden meanings behind iconic works and sharing her insights with art lovers of all levels. When she’s not visiting museums or researching the latest trends in contemporary art, you can find her hiking in the countryside, always chasing the next rainbow.