
Typical Situation.
Der Zug. Der letzte Zug und ich versuche ihn so gut wie möglich zu genießen, bevor ich sie in der Toilette hinunterzuspülen versuche. Das Fenster ist gekippt und nachdem ich mit den Händen wild herumfuchtle, glaube ich, nichts mehr riechen zu können. Ich schließe die Tür auf und setze mich zurück zu meinem Platz. Wo auch schon meine Tasche und meine Jacke liegen. Ich habe jetzt mal wieder und mit vollem Bewusstsein, zum ersten Mal seit langer Zeit, wieder etwas Verbotenes getan. Keine große Sache, nur ein Verstoß gegen die Zugverordnung. Aber trotzdem fühle ich mich jetzt wohl. Besser als während der zweieinhalb Minuten, in welcher ich die Zigarette zu rauchen versuchte.
Die Sonne blinselt durch die ungeputzten großflächigen Fenster herein und mein Kopf lehnt sich an. Ich denke nach und höre Musik und denke nach. Und beim nächsten Halt steigt plötzlich diese hübsche junge Frau zu. Vorsorglich räume ich die Dinge von meinen Sitzen herunter und warte. Sie blickt sich um und ich scheine die erstbeste Lösung zu sein. „Noch frei?“, murmelt sie, und ich nicke und lächle. Sie lächelt zurück und so sitzen wir und der Zug fährt wieder los und ich versuche mich irgendwie sinnvoll zu beschäftigen und krame in meiner Tasche nach irgendeiner Lektüre, die mich als intelligent darstellen würde. Houellebecq hat mich zwar nicht unbedingt als Zielgruppe, aber es sieht schon besser aus, als würde ich irgendeine Gratiszeitung rauskramen, die ich aufgeschnappt habe.
Immer mal wieder schweifen die Blicke zu dieser jungen Frau. Ich beobachte sie, wie sie sich vom Bordservice einen Kaffee kauft und wie sie ihn zubereitet. Wie viel Milch und wie viel Zucker und ich blicke immer mal wieder in das Buch und immer mal wieder auf sie. Eine Stunde lang setze ich das fort, bis sie den leeren Kaffeebecher in den viel zu kleinen Abfalleimer stopft, ihre Tasche nimmt und geht. Ein Lächeln noch und weg ist sie. Und die Sonne scheint noch immer. Dem Untergehen begriffen. Und ich lehne mit dem Kopf an den ungeputzten Fenstern und warte, bis denn nun endlich auch meine Endstation kommen würde.
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