
[…]
Was hätte. Was wäre. Was könnte. Was sollte.
Alles.
Aber leider nichts.
Manchmal ist das Nichts freilich viel ergiebiger als das Alles. Es befeuert die Fantasie, muss aber nicht auf den Prüfstand der Realität.
Manchmal tritt durch durch eine Tapetentür ein Mensch in dein Leben, der dich mit großen Augen so anschaut, dass du weißt: Uuuh, das könnte was sein, und schon wirft das Sehnsuchtszentrum deines Gehirns die große Was-wäre-wenn-Maschine an. Was könnte. Was sollte.
Was soll ich.
Es muss nicht viel mehr sein als: ein interessantes, herzliches Gespräch. Jemand, der an den richtigen Stellen lacht und bei den langsamen Passagen ganz genau zuhört. Eine Berührung der nackten Unterarme, ein etwas zu langer Blick über den Rand deines Glases.
Ob das auf einen zärtlichen Kuss beim Abschied zusteuert oder auf ein Ausprobieren, wie sich eine gemeinsame Nacht anfühlt, ist weniger wichtig als der Schwebezustand, der dich elektrisiert: Wo führt denn das hin?
Merkwürdig, dass der Nachhall dieses Schwebens noch immer zu spüren ist, wenn längst klar ist, dass es nirgendwo hingeführt hat. Denn es hätte, es hätte …
Es hätte sich auswachsen können zu einer Affäre, einer Liebe, zu den seltenen Momenten, die humorvoll und sexy gleichzeitig sind und von denen man immer erst im Nachhinein weiß, dass sie zu den wertvollsten gehören.
Scheiß Konjunktiv.
[…]
Info: NEON, Ausgabe Januar 2009, Seite 73, Text: Christian Seiler
Bild: visualpanic
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