Es ist faszinierend, wie rasant sich alles ändern kann.
Wisst ihr vielleicht noch, wie ich früher war? Damals, als ich in jedes Lächeln, jede Berührung, in alles irgendwie die Welt hineininterpretierte, meine Träume zu rotieren begannen und all das in einem bösartigen Verliebtheitshöhepunkt sein vorübergehendes Ende nahm? Nein?
Okay. Jetzt wisst ihr vielleicht wovon ich rede. Ich war sie jemand. Ich war zwar immer zu feige, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass nicht nur ich so fühle. Viel lieber genoss ich die mit der utopisch anmutenden Verliebtheit einhergehenden Schmetterlinge in meinem Bauch und um meinen Kopf. Und dazu passend all die Pläne mit Heirat, Kinder kriegen, wie unser gemeinsames Haus aussehen könne, ob wir im Badezimmer zwei Waschbecken hätte und welche Gardinen im Wohnzimmer besser zur gemütlichen Couch passen könnten.
Wer schon die letzten paar Wochen hier brav mitgelesen hat, weiß, dass viel passiert ist. Das eine lange Zeit vergangen ist. Und dann war da dieser eine Kuss.
Und nichts. Keine Träumerei und keine Utopie. Nichts. Nicht gefühllos, nein. Aber zum ersten Mal in meinem ganzen Leben bin ich wohl am Boden geblieben. Habe die kommenden Tage zwar oft daran gedacht, aber nie, wie es sein könnte, sondern nur, wie schön dieser eine Moment war. Und ich lasse mich darauf ein, und mein einziges Ziel war, einfach mal weiter zu sehen. Was sich eben so ergibt.
Aber wer hätte denn damit rechnen können, dass schließlich doch jemand zuviel und womöglich Unnötiges in diesen einen Kuss hineininterpretiert? Und ich es diesmal nicht bin?
Foto: D’Arcy Norman | flickr | creativecommons
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