Millions of answers for never asked questions.

„Was tust du denn hier?“, fragte sie mich, die Hände in einem Geschirrtuch abwischend, die Tür gegen die eigene Schulter gelehnt, die Stirn leicht verschwitzt. ‚Ich hätte also doch anrufen sollen.‘, denke ich mir und um den Moment nicht noch peinlicher werden zu lassen, würde ich jetzt am liebsten gehen. Oder einen Rewind-Button suchen, und dann hätte ich mich selbst daran gehindert, anzuläuten. Doch jetzt stehen wir hier. Wir beide, lange haben wir uns nicht mehr-. „Hallo?“

Oh, ja. Antworten muss ich jetzt. „Was tust du denn hier?“, wiederholt sie, nun schon in etwas besorgterem Ton. „Ääää. Ähm. Also. Ich wollte nur mal Hallo sagen.“ Komm, los. Nimm meinen Kopf und schlage ihn bitte mit voller Wucht gegen die Tür. Das wäre zumindest die perfekte Reaktion auf dieses absolut dummen Satz. „Ach.“ – „Nein, also. Hm.“, ich muss mich erst wieder richtig sammeln. Was ist nur los mit mir, heute? „Ja, du … ich war in der Nähe und dachte, ich könnte ja mal vorbeisehen. Dich besuchen oder so.“ Puh: Zwei Sätze in Folge. „Stör‘ ich gerade?“

Und obwohl ich es genau weiß, dass sie lügt, akzeptiere ich ihr Nein. „Komm rein. Ich habe nur noch nicht aufgeräumt.“ Den Satz mit ‚Aber was hast du denn? Im Gegensatz zu meinem Zimmer ist das doch perfektestens aufgeräumt.‘ erspare ich mir. Das ist doch nur ’ne dumme Floskel. Ich ziehe mir tranceartig die Schuhe aus, hänge die dünne Sommerjacke an die Garderobe. Sie hat sich kaum verändert. Älter ist sie geworden. Ich folge ihr in die Küche.

„Kaffee?“ – „Mhm.“ Und schon beginnt die Maschine zu brodeln und zu pfffzen. Nach einer kurzen Stille, beinahe etwas beunruhigend, die nächste Frage. „So wie immer?“ Und ohne daran zu denken, dass es schon Monate aus ist, als wir zum letzten Mal gemeinsam Kaffee tranken, bejahte ich. Diese zwei Stück Zucker würde ich wohl auch verkraften. Und irgendwann sitzen wir uns gegenüber. Ihr Lächeln ist noch das Gleiche. Und obwohl ich sie bei irgendetwas gestört habe, scheint auch sie etwas froh zu sein, mich zu sehen.

„Na, wie gehts?“, beginne nun ich einmal die Konversation. „Gut.“, meint sie nur, doch dann beginnt sie zu erzählen. Und ich höre zu. So wie früher eben. Nur, dass irgendwann auch ich zu reden beginne und wir schlussendlich nach Stunden und einigen Kaffees alles wissen. Alles, vielleicht sogar zuviel. Und irgendwann, es ist schon dunkel, kurz vor Mitternacht, ergreife ich die Flucht. Bedanke mich, stelle die Tasse in das Spülbecken und wir beide, sie und ich, gehen zur Tür. Als sie mir dann den letzten Satz hinterher wirft, zaubert sie mir ein kleines Lächeln aufs Gesicht. „Komm ruhig mal wieder vorbei, wenn du mal kurz ‚Hallo‘ sagen willst.“

Eine laue Sommernacht.

Die Wolken, sie stehen am Himmel. Bewegen sich keinen Zentimeter. Die Blätter der Bäume ruhen. Windstill ist es und die Sonne verliert ihre letzte Energie bevor sie hinter den Bergen verschwindet. Weit weg sind wir, unsere Räder haben wir an einen Baum gelehnt. Wir liegen in der Wiese. Es ist noch überraschend warm. Irgendwo hat ein Bauer sein Feld frisch gemäht, und dieser typische Geruch frisch gemähten Grases steigt uns mehr und mehr in die Luft. Wir warten auf die vollkommene Dunkelheit, auf die Sterne und auf den Mond.

Viele Kilometer haben wir nun schon hinter uns, und nur mehr schwer werden wir den Weg nach Hause finden. Wir haben uns entfernt, ohne ein Wort zu sagen, ohne aufzufallen. Jetzt liegen wir hier und denken nach. Blicken in den Himmel und warten. Unzählige Erinnerungen schwappen aus unseren Mündern, über unsere gemeinsame Zeit, über das Leben und die Liebe. Ach, die Liebe. Sie ist doch nun schon seit vielen Jahren ein Thema von uns. Wann werden wir wohl je damit aufhören.

Die Stille. Nur das Zirpen der Grillenvölker und manchmal das Krähen der Raben, die sich das Essen vom Boden herauspicken. Eigentlich ist es ruhig. Ruhig und nur die Worte durchbrechen manchmal die Stille. Irgendwann beginnen wir auch zu singen, wir singen unser Lied. Und das Lied von wahrscheinlich hunderttausenden Anderen. You gonna be the one that saves me.

Nach dem Ende des Liedes sehen wir uns an, lächeln. Das ist es. Das sind wir. Ach verdammt, wie sehr mir das doch gefehlt hat. Wie sehr ich doch unsere gemeinsame Zeit vemrisst habe. Und wieder einmal schwören wir uns, uns nie aus den Augen zu verlieren, und doch haben wir es schon mehr und mehr getan. Nur an wenigen Tagen haben wir Zeit und treffen uns und leben das Leben von vor zwei oder drei Jahren. Wir haben usn verändert und diese laue Sommernacht zeigt es wieder einmal. Der Mond taucht unsere Gesichter in Schatten und wir blicken uns an. And so it goes. Wie man so schön sagt.

Ich kann auf vieles in meinem Leben verzichten. Aber wir gehören einfach zusammen, wir sind Teil unserer Geschichte. Freunde sind einzigartig, jeder Einzelne. Und auch wenn uns, im Gegensatz zu unserer Schulzeit nur wenige Tage in der Woche oder im Monat bleiben, so kann man doch froh sein, dass wir wenigstens diese wenigen Tage haben. Und irgendwann, es muss schon nach Mitternacht sein, greifen wir unsere Fahrräder. Und fahren los. Nächstes Ziel? Wohin der Weg uns führt, okay?

Und was nicht war. Wird auch nie so sein.

Jeden einzelne Pore von dir habe ich geliebt, zur der Zeit, als Liebe angebracht war. Jede einzelne Pore von dir wollte ich vergessen, als du uns aufgabst. Ich habe lange mit mir gekämpft und habe immer noch versucht, dich zu überraschen. Dir zu zeigen, dass ein Leben ohne mir sinnlos ist, und dass nur ich der Richtige sein kann. Ich habe gehofft, du würdest es endlich einsehen und irgendwann schossen die Gefühle wieder hervor und ich glaubte, dass ein Leben ohne dir unmöglich sei. Dann folgte die Therapie und meine Abrechnung mit dir, eine Abrechnung mit der du nicht umgehen konntest, nicht wolltest. Ich wollte dir damit zeigen, dass es so nicht weitergehen konnte, aber dass ich irgendwann, in einem halben Jahr oder so, über die Möglichkeit einer Freundschaft nachdenken könnte.

Irgendwann kam auch die Aussprache und ich glaubte, nachdem ich zum ersten Mal seit vielen Monaten deine Stimme gehört habe, dass wir irgendwann wieder unser gemeinsames Glück finden könnten. Als Freunde. Deine Stimme, die ich so geliebt habe, damals, vor mehr als einem Jahr. Deine Stimme, die sich stets auf mein Herz gelegt hat, als ich es nötig hatte. Ich hatte sie wieder gehört, und für den kurzen Moment dieses Telefongespräches glaubte ich daran, dass alles gut werden wird. Leichtgläubigkeit hat sich noch immer bestraft gemacht.

Man würde sich eben melden, wenn der Schulstress vorbei sei, wenn mal keine Schularbeit anstünde. Ich müsse mich noch gedulden. Und, hell yeah, ich habe mich geduldet. Habe gehofft und gewartet. Habe ehrlich daran geglaubt, dass du dich in absehbarer Zeit melden würdest. Ich habe dich zwei Mal zu irgendwelchen Parties eingeladen, in der Hoffnung, dich nach so vielen Monaten wiederzusehen. Zum Wiederkennenlernen nach so langer Zeit. Und ich habe mich auch geschworen, ich selbst zu sein, wenn wir uns das nächste Mal sehen sollten. Doch jedes Mal kam eine Absage und oft habe ich mich alleine aus dem Grund, dass du dich mit einer weiteren Absage von mir fernhieltest, betrunken. Manchmal bis zum Geht-nicht-Mehr. Das weißt du vielleicht gar nicht. So wie du das Meiste in meinem Leben nicht weißt.

Sag es mir, warum, verdammt noch mal, habe ich so viel Wert darauf gelegt, dass wir Freunde werden würden. Du warst meine erste große Liebe und du warst ein Sammelpunkt vieler unglaublich schöner Erinnerungen. So vieles verbinde ich mit dir, Lieder und Gefühlszustände. Du hast mir so viel gegeben, ohne es zu wissen. Und du hast mich auch enttäuscht. Ich weiß, dass ich nicht immer einfach bin, in einer Beziehung. Aber du hättest doch erst einmal verstehen müssen, was es bedeutet in einer Beziehung zu sein. Je regrette. Ich bedauere so viel und dass ich noch Monate danach nicht klar denken konnte und mich immer noch in den Gedanken vernarrte, dass alles mit uns wieder werden würde. Ich habe so vieles aufgegeben, was aussichtsreicher war, als all das, was je zwischen uns war.

Du weißt, wie gerne ich dich wiedergesehen hätte, jetzt, nach dem Streit und den vielen Monaten Stille zwischen uns. Du weißt, wie ich gehofft habe, wie ich auf uns gesetzt habe. Dass wir tolle Freunde werden würden, wenn wir nur alle beide etwas dafür zu tun bereit wären. Und in jedem der spärlichen Telefonaten hast du mich auf die nächste Woche verlegt. Aber dann, ganz sicher. Schon klar. Du hast die Hoffnung am Leben gelassen und so zogen sich die Tage dahin. Wochen vergingen und nun sogar Monate. Nichts mit reden, nichts mit Kaffee. Zum ersten Mal seit langem haben wir uns gesehen, letzte Woche. Du hast dich verändert, im Aussehen und in der Art. Und du hast dich wenigstens so weit von mir weg verändert, dass mich rein gar nichts mir mit dir verbindet. Du hast das Spiel gewonnen und du hast erreicht, was du immer wolltest. Ich lasse dich in Ruhe.

Viele haben ja gesagt, dass Freundschaften nach einer Beziehung oft nicht funktionieren, und wenn, dann erst nach Jahren. Für mich bist du jetzt gestorben und vielleicht ist es eine Genugtuung für dich, dass ich wieder einmal das Gefühl habe, jemanden zu verlieren. Aber dieser Verlust schmerzt nicht, denn ich kann mir keine Vorwürfe machen. Ich habe alles versucht und ich war immer da. Nur du hast gefehlt und hast es unmöglich gemacht, eine Freundschaft zu ermöglichen. Damit hast du auch das auf dem Gewissen. Ich möchte dich am liebsten nie wieder sehen, und doch lässt es sich nicht vermeiden. Irgendwo auf one hell of a party, oder an dem Ort, an dem alles begann. Wir werden uns also wiedersehen, aber dein Lächeln wird nie wieder so sein, wie es war. Nicht für mich.

Und ich bereue es. Ich bereue, dass ich jemals zu dir „Ich liebe dich“ gesagt habe. Nein, ich bereue nicht, dass ich es zu früh in unserer Beziehung sagte, sondern dass es überhaupt meinen Mund verließ. Denn durch deine späte Antwort, glaubte ich, dass wir hier von richtiger Liebe sprachen, und wenn diese erlosch, würde uns zumindest noch irgendein Band verbinden. Aber dadurch, dass du es auch gesagt hast, haben diese drei Worte, jetzt im Nachhinein, an Aussagekraft verloren.

Wir waren nie Freunde. Und nun werden wir es wohl auch nie sein.

Du warst das hübscheste, interessanteste, großartigste, umwerfendste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe. Interessant wie schnell man von Liebe zu Hass übergeht und sich mehr und mehr der Gleichgültigkeit annähert. Und ich wünschte, du hättest irgendwann einmal das Feingefühl um zu sehen, wie viel du bereit warst, aufzugeben. Ich habe jetzt endlich einmal genug. Ich habe genug gewartet, genug Abstand gehalten, dir genug Freiraum gelassen, ich habe dich leben lassen, während ich nicht zu leben und vor allem zu lieben imstande war. Jetzt möchte ich leben, und da hat so ein verdammtes Wesen wie du keinen Platz. Vielleicht kommst du ja mal wieder auf diesen bescheuerten Blog und vielleicht liest du das und lässt dich darüber aus, was ich nur schon wieder alles über dich schreibe. Verdammt, bist du so blind. Alle Texte die melancholisch angehaucht waren, hatten mit dir zu tun. Wöchentlich wahrscheinlich mindestens fünf. Aber jetzt weißt du ja vielleicht, was ich von dir halte. Herzlich wenig.

Stillgestanden.

Als für wenige Sekunden alle Zeiger der Uhr stillstanden, konntest du endlich genug Mut fassen, um Träume zu zerstören.

Du hast den Zeitpunkt perfekt abgewartet. Wir haben uns die wenigen Stunden vorher geküsst. Haben uns berührt, und haben gesprochen. Wir haben gesprochen und ich wollte schon wieder gehen. Als wir auf dieses eine Thema zu sprechen kamen. Ich hätte gehen sollen, aber ich wollte es wissen. Die Dinge, die für dich wichtig in einer Beziehung waren, konntest du nicht erfüllen. Ich war ewig dazu bereit. Und du eben nicht.

Mach immer was dein Herz dir sagt. Immer was dein Herz …

Ich fühlte mich gut. Verdammt noch mal, wie kann man sich nach so etwas gut fühlen. Dass man nicht in einer Beziehung steckte, in welche man viel zu viel Energie reinstecken musste? Dass man endlich einmal selbst den Mut hatte? Dass jetzt endlich eine normale Freundschaft bleiben kann? Ach, wie naiv bin ich gewesen. Vielleicht hast du es schon seit jeher gewusst, als du zum ersten Mal einen Traum zerstört hast. Warum ist es wieder soweit gekommen, warum hast du mir erneut die Welt versprochen und deine Zuneigung und hast rein gar nichts davon gehalten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint,
in Empfindsamkeit vereint.

Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass du so bist, wie du eben bist. Ich bereue nicht, dass ich dich geliebt habe, und dass ich stets Verständnis zeigte, und dass ich mehr in die Beziehung steckte als du, und dass ich dich vielleicht immer noch liebe. Ich bereue, dass ich in dir einen liebevollen und wunderbaren und wertvollen Menschen sah.

Zwischen „Komm zurück“ und „Wirklich Schluss“

Ich habe immer noch den Versuch gestartet. Oftmals ist es geglückt, man hat sich gemeldet, man hat sich gesehen. Man hat sich für den Anderen gefreut und man war froh, sich gegenseitig als Freund zu haben. Ich habe den Beginn unseres Versuchs eines Freundschaftsaufbaus versiebt, ich gebe es ja zu, aber du könntest dich melden. Es wäre das wenigste. Auf einen Kaffee oder so.

Die Erinnerungssplitter liegen herum
Ich tret rein

Und ja, ich lade dich ein. Es ist ein Versuch. Ich bin dumm, ich weiß, aber ich würde mich freuen, wenn du kommen würdest. Zu meiner Feier zum Ende des Zivildienstes. Du könntest damit zeigen, dass dir noch ein kleiner Funke an mir liegt. Es ist nicht viel, was ich verlange.

Entfernt.

Die Kieselsteine auf meinen Knien drückten sich hinein, als ich auf dem Boden knie und fragen in Richtung Himmel blicke. Doch der Schmerz ist mir egal.

Es ist als hätte ich dich ein weiteres Mal verloren. Ich konnte dich nicht in meiner Nähe haben, die letzten Monate. Habe dich nicht gesehen und jetzt, wo du 3839 Kilometer entfernt bist, kommt es mir vor, als wärst du für immer weg. Obwohl du in wenigen Tagen schon wieder zurückkommst. Es ist anstrengend, dich zu vermissen, mit dem Wissen, dass du keinen Gedankenfunken an mich versprühst. Aber verdammt, du fehlst.

Langsam erhebe ich mich und überlege mir, was du für mich warst. Die erste große Liebe. So richtig große mit Gedanken für die ferne Zukunft und so. Du warst die Erste, die mein Herz für kurze Zeit zerfetzte. Und nie wieder ist es richtig geflickt worden. Du hast kaputt gemacht, und ich hoffte doch immer, bis jetzt hoffe ich noch, dass wir uns irgendwann einmal wieder sehen. Dass eine Freundschaft entstehen kann. So zu lieben, wie ich die schon einmal geliebt habe, das könnte ich heutzutage gar nicht mehr.

Ich wische die Kieselsteine von meinen Knien und warte. Ich habe doch schon genug Freunde, viel zu wunderbar sind sie. Stets da und hilfsbereit und großartig. Warum lege ich so großen Wert darauf, auch mit dir eine Freundschaft aufzubauen. Weil ich dich nicht verlieren will. Ich will, nicht, dass du aus meinem Leben verschwindest. Aber das große Problem: Ich habe dich schon verloren. Was zwischen uns früher einmal Liebe war, wurde für dich scheinbar Gleichgültigkeit.

Suche dir bitte nie wieder einen Menschen. Bleibe allein, denn du hast es nicht anders verdient. Du hast nicht verdient, von ganzem Herzen geliebt zu werden. Denn du kannst nur enttäuschen. Vielleicht schaffe ich es irgendwann, dass du mich nie mehr indirekt enttäuschst. Indirekt? Ja, denn du siehst es meistens erst gar nicht. Der Himmel gibt mir auch keine Antworten. Er ist wie du.

Verlieren.

Du kannst ja tun was du willst. Aber irgendwie würde ich dir gerne so viele Dinge ins Gesicht schreien.

Niemand kann bestätigen, dass eine Freundschaft nach einer Beziehung funktioniert. Ich war immer in diesem Glauben und viele Male hat es funktioniert. Doch du machst es mir nicht wirklich leicht. Wir hatten Abstand, einige Monate haben wir uns nicht gehört und gesehen. Irgendwann kamen wir wieder in Kontakt, machten uns ein Treffen aus. Um wieder einmal lange zu reden. Doch als wir uns dann sahen, fiel dir ein, dass du keine Zeit mehr hast. Du müsstest irgendwo hinfahren und ließest mich zurück. Es könnte mich nicht stören, doch ich hasste diesen Tag dafür.

Als wir uns das nächste Mal in einem Instant Messenger kontaktierten, kamen wir über Smalltalk nicht hinaus. Ich wartete auf irgendeine Antwort von dir, und erst als du offline gingst, hast du dich noch von mir verabschiedet. Kein Wort von dir, dass du nun eine Woche in London sein würdest, kein Wort von dir. Erst durch Zufall bin ich drauf gekommen und warte nun.

Frage mich, ob du dich jemals wieder meldest bei mir. Oder ob ich dir so egal bin, wie es mir zurzeit eben scheint. Wenn es so ist, kann ich nichts tun. Aber du weißt doch, wie schwer es mir fällt, einen liebgewonnenen Menschen aus meinen Leben verschwinden zu sehen. Wenn du dann einfach weg bist, und ich in Wien, wir werden uns nur ganz selten sehen. Wahrscheinlich stets zufällig. Und von Freundschaft wäre dann überhaupt nicht mehr zu sprechen. Dann könnte ich wenigstens sagen, du hättest es versaut.

Ich würde dich ewig dafür hassen, wenn ich denn irgendwann im Stande wäre, dich zu hassen. Wie kann es nur sein. Für mich unvorstellbar. Für dich wahrscheinlich nicht einmal einen Hauch anstrengend. Schreib am besten ein Buch. „How to lose someone, who loved me, forever“. Die Frage „Why are we still friends“ würde sich dann schon wieder in Luft auflösen.

Es War Einmal.

Märchen sind doch etwas für Kinder. Kinder und Träumer.

Als ich vor den Zug sprang, bereute ich meine Tat. Es wäre doch auch anders gegangen. Hätte ich mich weggedreht und wäre wieder nach Hause gegangen, es wäre vieles anders. Aber ich bin eben gesprungen, und der Sprung, dieses Hundertstel einer Sekunde, war großartig. Die Luft durchfloss meinen ganzen Körper und meine Augen begannen Tränen zu produzieren. Einfach so. Ich bin also gesprungen, und als ich auf den Schienen aufschlug, kam auch schon der Zug. Der Schmerz war kurz aber er war. Es hätte auch anders sein können. Ich hätte mich entschließen können, mich mit meinen Problemen zu konfrontieren. Doch ich hatte Angst vor mir und der Konsequenz. Das was jetzt ist, ist natürlich scheiße. So hätte ich mir das vor kurzem noch nicht vorgestellt.

Ich mag keine Märchen. Sie erzählen Geschichten, die sich so nie zutragen könnten. Geben ein falsches Bild von Liebe und ein falsches von Freundschaft. Märchen wissen gar nichts. In keinem Märchen ist irgendjemand vor den Zug gesprungen und ist dadurch geflüchtet. Die Typen in solchen Geschichten finden immer einen Weg. Das Wort Sackgasse kennen die nicht. Sie wissen rein gar nichts und ich weiß alles. Ich weiß viel zu viel und deswegen habe ich es auch getan.

Ich kann damit nicht umgehen. Warum auch. Wie denn auch. Es sind einfach Dinge, die man nicht so einfach vorüberziehen lassen kann. Irgendwann kommt’s wieder zurück. Und dann erwarte ich es nicht, und es macht Bumm. Und mich wirft es aus der Bahn. Langsam aber sich bereue ich schon nichts mehr.

Was sind schon Träume. Träume sind die Märchen des naiven Menschens. Da kann man immer noch hoffen und glauben, das alles besser wird. Und wenn’s nicht besser wird, wünscht man sich eine weitere Träumerei. Weil irgendwann muss das Glück ja auf ihrer Seite sein. Was für Verlierer. Leben in ihrer Märchenwelt. Ihr Idioten. Ich habe einen anderen Weg gewählt.

Blickte ganz rational in die Welt und fasste einen Beschluss. Blickte ganz frontal in die Lichter des Zuges, und dann war Schluss. Ihr … Idioten.

Anders.


Langsam den Entschluss in meinem Kopf entstehen lassen. Wenn alles in Liebe, Freundschaft und Traumwelt nicht richtig läuft, ist es vielleicht wichtig, sich mal auf eines zu konzentrieren. Alles andere rechts außen liegen lassen. Weil eine dreifache Anstrengung einfach zuviel ist. Da nimmt man sich einfach zurück und zieht das eine Ding durch. Mein Leben mal anders. Bis zu meinem 20. Geburtstag.

Man konnte es mitverfolgen. Meine Probleme in der Liebe. Gefühle und Gedanken und Verliebtheit und Hoffnung und Absturz und Fall. Der regelmäßige Ablauf. Vielleicht kommt der Blog viel zu schmalzig rüber und vielleicht spürt man es nicht. Aber es tut mir schon weh. Wenn mir Menschen das Gefühl geben, mich zu lieben, es aber schlussendlich doch nicht bereit sind. Wenn ich als alleine unter Paaren sitze, ja, das ist ein beschissenes Gefühl. Ich wünsche mir einen Menschen, der so wunderbar und so einzigartig ist. Ich weiß nicht, wann ich sie finden werde. Ich weiß es nicht. Aber zumindest interessiert mich das Suchen einfach nicht mehr. Zu weh tat das alles schon.

Kürzlich erst kamen zwei Probleme, die ich mit Freunden hatte, irgendwie hoch. Jaja. Ich erzähle immer von der Wichtigkeit einer Freundschaft. Meiner Freundschaften, meiner Freunde. Ich möchte, dass es ihnen gut geht. Doch durch Verquerelungen innerhalb unseres Freundeskreises fällt es manchmal schon schwer. Dass ich jetzt die ganze Sache so beschrieben habe, dass ich mich von zwei wichtigen Freunden zurückziehen werde, nur um nichts kaputt zu machen, ist der Höhepunkt. Der Höhepunkt der beschissenen Woche und überhaupt. Zurzeit fühlt sich alles falsch an, aber ja, ich bin egoistisch. Ich lasse mir zurzeit echt nichts gefallen, bin ein großer egoistischer Arsch und habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht muss das einfach raus.

Und nun komme ich zum Dritten. Das Buch „Volle Distanz. Näher zu dir“ ist in Arbeit. Ich schreibe auf einem kleinen Block (DIN A6) nach und nach Absätze. Gut überlegt und wohl geformt. Doch ich komme kein kleines Stückchen weiter. Es dauert viel zu lange. Und so werde ich mich bis zum 6. Mai aus der Liebe und der Freundschaft zurückziehen. Einfach zurückstecken, nicht überall dabei sein, nicht alles gefallen lassen. Denn ich bin nämlich immer viel zu kompromissbereit. Ja, jetzt seht ihr ihn auch mal. Den Arsch vom Ikarus. Und ich habe keine Schuldgefühle. Warum immer ich. Warum muss ich immer aufpassen, dass Freundschaften gut laufen, dass die Beziehung nicht zerbricht. Ich könnte jetzt fluchen und mit Schimpfwörtern herumjonglieren. Es würde ja doch nichts helfen.

Ich werde mich zurückziehen. Werde an meinem Buchprojekt arbeiten. Werde wohl auf keine Party meines Freundeskreis gehen. Ich selbst werde natürlich schon eine veranstalten. Und werde auch alle einladen, selbst wenn jetzt Probleme da sind. Vielleicht legen sie sich. Aber bis dahin beschränke ich mich auf irgendwelche Kaffees. Mit einzelnen Personen oder zu dritt. Mal sehen. Oder Kino. Ich werde Zeit für mich haben. Für mich und nicht für euch. Ihr werdet mir manchmal fehlen und manchmal werde ich froh sein, euch nicht zu sehen. Denn so wie es jetzt ist, versaut ihr mir manchmal richtig den ganzen Tag. Und dazu habe ich keine Lust.

Und so wären das jetzt 43 Tage. Ich werde mich hier natürlich melden. Werde einige Kapitel fertigstellen. Und vielleicht gelange ich auch schon weit hinein in die Geschichte. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Es wird schon. Und zurückkehren möchte ich leicht anders. Ich, auf dem Weg zur Perfektion. Zu meinem auferlegten Möchtegern-Sein. Ich möchte mich wieder sportlich betätigen, vielleicht versuche ich auch mal wieder das meditieren, und ich möchte einfach ganz, ganz viel nachdenken. Aus den letzten 25 Tagen bis zum Ende meines Zivildientes das Beste daraus machen. Und schrieben. Endlos schreiben. Jede freie Sekunde werde ich schreiben, weil meine Kreativität scheinbar einen mächtigen Schub bekommen hat. Es müssen immer solche Momente sein, dass man sich zu so etwas beschließt, und dass die Kreativität anspringt, so wie sie es gerade bei mir getan hat.

Ich tauche unter. Bei manchen möchte ich das „Look What You’ve Done“- Gefühl hervorheben. Andere vermisse ich schon jetzt. So wird es sein. Ich habe Angst. Aber nun gibt es kein Zurück. Wohin sollte ich den gehen?

Edit:// Ich werde mich nicht zuhause einschließen. Werde nicht den Kontakt zur Außenwelt abbrechen. Nein. Ich werde auch weiterhin auf kleinen Zusammenkünften zu finden sein. Aber ich werde große Parties meiden, werde Menschenaufläufe, wie schon damals, wieder meiden. Aber das Buchprojekt soll trotzdem jetzt einen großen Fortschritt erleben.

Fly Away.

Langsam, ganz langsam.

Ich habe mich scheinbar gedreht und gewendet. Nach drei oder vier Stunden Schlaf, bis kurz vor zwanzig Uhr fühle ich mich verspannt und müder denn je. Aber das musste jetzt sein. Nachholen, wofür ich die ganze Woche über nicht wirklich Zeit gefunden habe. Und nun sitze ich hier, mit dem Gedanken bei einer wunderbaren Freundin. Wo scheinbar heute mal so richtig alles nicht gut läuft. Wenn du das hier liest: Ich denk an dich. Vielleicht hätte ich noch vorbeikucken sollen. Nach erneutem Telefonat werde ich das nun auch noch tun. Und ja, ich fühle mich verpflichtet. Dir geht es nicht gut, du möchtest reden und ich möchte dir helfen. Gemeinsam können wir in Kürze schließlich über Gott und die Welt reden. 

Die Woche lief um einiges besser, als all die Tage zuvor. Man mag es jetzt als lächerlich ansehen, aber das Wiederauffinden meiner Uhr, nach mehr als fünf Monaten, ist einer der Höhepunkte der letzten Tage. Ich habe sie ernsthaft in meinem gesamten Zimmer gesucht. Habe alle aufgehoben und überall nachgekuckt. Überall? Nein, nicht wirklich. Denn obwohl ich mir ganz sicher war, dass ich die Uhr das letzte Mal bei meinem Nächtkästchen gesehen habe, habe ich nie in der Briefebox nachgesehen. Und vor drei Tagen habe ich wieder einmal zwei Briefe geschrieben (schon angekommen?) und überraschenderweise meine Uhr am Grunde der Box gefunden. Meine Briefebox ist übrigens eine Converse-Schachtel mit Adressen, Kuverts und Briefmarken. Was ganz Tolles. Ehrlich.

Ach ja, und diese Woche habe ich auch durch Zufall erfahren, dass durch den Text „Selbstgespräch. Und So.“ mein Blog der Teil einer eineinhalb Jahre langen Ausstellung in drei Museen in Deutschland sein wird. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass meine Art zu schreiben, und hier geht es wirklich darum, da es sich um einen puren minimal literarischen Text handelt, auch über das Internet hinaus zu betrachten ist. Es ist so etwas wie ein kleiner Traum. Mein Name, mein Blog. Ein kleines bisschen Berühmtheit für etwas, was für mich sehr viel bedeutet. Und ich empfehle wirklich allen, die in der Nähe von Frankfurt, Nürnberg und Berlin wohnen, im Laufe der nächsten Monate diese Ausstellung zu besuchen. Ich werde es wohl erst nächstes Jahr in Berlin.

Ein weiterer Punkt, der diese Woche für schöne Gefühle sorgte, war die Tatsache, dass ich unter Pachelbel-Einfluss die ersten Sätze zu „Volle Distanz. Näher zu dir“ kreiren konnte. Ich persönlich finde den Anfang großartig und scheinbar kommt er auch bei den Lesern, als euch, wirklich gut an. Deshalb werde ich, vielleicht bald mit einem Moleskine-Notizbuch, jetzt nun mal wieder weiterschreiben. Nachdem mein erster Versuch mich bald stocken ließ. Vielleicht werde ich einen kleinen USB-Mp3-Player nur mit klassischer, ruhiger Musik bestücken. Sie ist wunderbar. Ein bisschen Bach hier, ein bisschen Pachelbel da … und möglicherweise auch noch Beethofen oder Chopin. Debussy hingegen wirbelt eher auf, als dass er beruhigt.

In Liebe und so weiter hat sich nichts entwickelt. Ich habe mich erfolgreich entliebt, und freue mich schon auf das nächste Wiedersehen ohne irgendwelche Gefühle. Und auch mit meiner Exfreundin, mit der ich erst vor zwei Monaten wirklich abschließen konnte, habe ich nun wieder Kontakt. Per ICQ wohlgemerkt, aber möglicherweise treffen wir uns in den Osterferien auf einen Kaffee. Wobei ich hinzusagen möchte, dass Ostern für mich nicht unbedingt verpflichtend Ferien bedeutet. Ich werde arbeiten. Aber ich freue mich darauf, dass der Versuch einer Freundschaft zumindest in meinem Kopf schon wieder existiert. Vielleicht auch nicht richtig, aber wie ich schon mehrmals sagte, fällt mir die Vorstellung schwer, dass jemand komplett aus meinem Leben verschwindet. Mal sehen, wie sich alles so weiterentwickelt.

Und so werde ich mich auf den Weg zu dieser einen wundervollen Freundin machen. Wir werden exzessiv rauchen, und reden. Ich habe schon lange nicht mehr mit ihr geredet. Das tut uns wahrscheinlich beide gut. Also dann, bis morgen, liebe Leute. Ich flieg dann mal weg.