Du Fragst Ehrlich. Wie’s Mir Geht?

Zugegeben. Das gestern fiel ins Wasser. Ja, ich bin nicht zum Bahnhof gegangen, wie ich es jeden Tag normalerweise getan hätte. Ja, ich bin wieder in diesen Supermarkt gegangen. Nein, sie war nicht mehr da. Ja, ich wusste, in welcher Straße sie wohnt. Nein, ich habe die Straße nicht gefunden. Und ja, ich machte mich dann fünfundvierzig Minuten später auf die Heimreise. Und heute war sie erst gar nicht da. Aber wie es Magdalena gestern wieder schön gesagt hat: Dominik, du gibst jetzt wohl nicht auf, oder? Nein, natürlich nicht.

Psychisch bin ich aber trotzdem irgendwie am Ende. Ich arbeite ja an einer Zeitschrift der Einrichtung, in welcher ich arbeite. Und die soll bis Dezember rauskommen. Nebenbei arbeite ich auch noch an einem Plakat. Und überhaupt. Und sowieso. Und deswegen musste ich heute mal ganz weit fahren, zu den verschiedensten Plätzen in Bad Ischl. Und während ich mich in Bad Goisern schön langsam auskenne, zumindest im Zentrum, ist Ischl für mich immer noch … ähm … unbekannt. Ich war bisher einmal, als ich mich noch erinnern kann. Früher, im Altern von drei oder vier Jahren war ich zwar öfters dort, da meine Großtante dort im Altersheim war, aber da fehlt eben die Erinnerung. Ich weiß nur mehr, dass ich immer hinten im Auto geschlafen habe. Nun ja ..

Die zweistündige Reise an drei verschiedene Orte war nervenaufreibend. Vier mal bin ich an der gleichen Stelle angekommen. Ich war am Ende. Ehrlich. Jetzt habe ich alle Fotos im Kasten … ähm … auf der Karte, das Dienstauto weit genug weggeparkt, usw.

Wie es mir physisch geht? Besser. Seit ich mich irgendwie bewusster ernähre, wirklich gut. Zu Mittag kaufe ich mir immer zwei Äpfel, irgendein gesundes Brötchen und ein Fruchtsaft. Gestern Mango heute Erdbeer. Und das trinke ich dann den ganzen Tag über. Bis ich um 17 Uhr richtig warmes Mittagessen bekomme. Und dann esse ich nichts mehr. Und ja, es geht mir jetzt irgendwie besser. So dumm sind die Ernährungswissenschaftler gar nicht.

Übrigens fühle ich mich in Bad Goisern immer wohler. Bad Ischl hasse ich jetzt zurzeit. Aber Bad Goisern finde ich schön langsam schön, ich werde lockerer. Freundlicher. Und interessierter an dieser Marktgemeinde. Gestern habe ich ja absichtlich den Zug versäumt. Und bin dann durch Goisern gegangen. Ist ja schön groß, dieser Ort. Heute habe ich mir die katholische Kirche angesehen, in der Mittagspause. Und morgen kommt dann die evangelische dran.

Und überhaupt. Ich fühle mich zurzeit richtig wohl. Habe seit gestern eine Gitarre (von Hofer // für die Deutschen und den Rest der Welt ausgenommen Slowenien: Aldi). War zwar billig, aber genügt, um mal so richtig schön anzufangen. Gestern habe ich meine erste Tonleiter gespielt … 🙂 … und Knockin‘ On Heavens Door. Jaja, ich weiß. Autogramme gibts später. Ja, es geht mir gut. All die Zweifel und Ängste scheinen, zumindest für heute mal weg. Ich fühle mich leicht verändert. Ja, normalerweise spürt man das nicht so arg. Aber irgendwie kommt es mir schon so vor. Und ich liebe diese Zugsessions, wenn ich mit meinem Mp3-Player im Ohr … irgendwelche Sätze höre und daraus Texte stricke. Wie „Won’t You Hold Me. Now“ und „Why Do Things. Have To Change?“. Wobei der erste endlich mal wieder Empfehlungen herbeigeschleppt hat, auf NEON. Jaja, auf den Text bin ich auch wirklich irgendwie stolz.

Was ich noch mal sagen wollte? Mir gehts gut. Ich habe gleich aus, obwohl es mir nicht so lange vorkommt. Und ich werde heute noch ein bisschen auf meiner Gitarre üben. Und ich wundere mich gerade, wie viele Buchstaben ich hier zusammenbringe, beziehungsweise Worte, ohne dass ich mich verschreibe. Wie von Zauberhand wandern die Finger über die Tastn … ach … hier war er, der Fehler.

Heute lese ich dann auch noch der „Fänger im Roggen“ zu Ende. Gefällt mir nicht so schlecht. Jaja. Nicht so schlecht. Und dann werde ich mich wohl irgendwie mit meinen Lektüren auf meine Englisch-Matura vorbereiten. Und ich freue mich schon auf mein Notebook. Es fehlt mir … 🙁 …

Und die Antwort auf den Titel: Gut. Endlich mal wieder verdammt gut.

Das Leben. Eben. Und Trotzdem.

Wenn das Leben einem ein Schnippchen schlägt, dann ist das Leben normalerweise nicht zimperlich. Es kommt da einfach mal so daher und zieht einen den Teppich unter den Füßen weg. Wenn man hinfällt, und sich dabei wehtut, dann lacht das Leben nicht über einen. Aber es hilft einem auch nicht auf. Es geht dann einfach weiter. Das Leben eben.

Ich weiß nicht ob ich gestürzt bin. Weiß nicht ob ich gefallen bin. Und wenn ja, wie tief. Vielleicht fliege ich ja auch gerade. Wenn das Leben mal einen guten Tag hat. Ich weiß ja nicht mal, wie es mir gerade geht. Ich bin gefühlsfrei, und doch voller Gedanken. Ich bin gedankenlos, und doch überkommt mich eine Welle aus Gefühlen. Ich liege hier in meinem Bett, wenig kuschlig, da sich die Bettdecke unter mir befindet, und nur der überhitzte Lüfter meines Notebook mir Wärme schenkt. Höre bescheuerte Hip Hop – Musik aus dem Radiosender, den ich eigentlich stets in höchsten Tönen lobe … fm4. Und so langsam frage ich mich, wie alt ich eigentlich bin.

Habe ich mich etwa endlich (endlich?) wieder einmal in jemanden verkuckt. Den ich ja eigentlich nur von meiner Mittagspause kenne? Ist das nicht krank. Oder nicht meinem Alter entsprechend. Glaubte ich vor kurzem noch an meine Reife, an die Weiterentwicklung des Projektes Dominik. Und dann so etwas. Bin ich dreizehn Jahre alt und habe ich erst heute entdeckt, dass Mädchen nicht nur blöd sind. Es ist ein komisches Gefühl. Mein erster und einziger Weg in diesem Geschäft ist der Gang zur Wursttheke. Das ist doch krank. Findet ihr nicht. Bin ich dazu nicht schon zu alt. Die Einen verlieben sich in ihre Lehrerin, die andere in ein Mädchen, welches sie von der Disco kennen. Und ich verkucke mich in meine Wurstfachverkäuferin.

Irgendwie hasse ich aber mein Leben auch. Viel zu viel Routine hat sich in mein langweiliges Leben eingeschlichen. Ich bin der, der um 5:15 Uhr aufsteht. Um 7:20 Uhr in den Zug einsteigt. Um 15:30 Uhr nach Hause fährt. Und um 17:00 zu Mittag isst. Um sich dann durch den restlichen Tag vor lauter Müdigkeit zu kämpfen. Jeden Tag das Gleiche. Das Wochenende ist manchmal etwas anders. Und auch während der Woche gibt es dezente Ausnahmen. Aber doch beginnt nach einer Nacht voll wenig Schlaf der Tag mit dem Aufstehen. Flexibilität und Spontanität lassen grüßen. Immer das Gleiche. Wie während der Schule. Und ich dachte schon, diese Zeit wäre vorbei.

Und so geselle ich mich zum Sandmändchen, welches ja nun schon seit fast vier Stunden schläft. Morgen werde ich mich vormittag wahrscheinlich nicht so oft melden, ich werde wahrscheinlich unterwegs sein. Es ist beruhigend, wie aufheiternd selbst eine Autofahrt in den Nachbarort sein kann. Wenn der normale Zivildienst eine Linie auf der 0-Achse ist, dann ist morgen eine kleine Erhebung auf 0,83 zu erwarten. Irgendwie schrecklich. Ich lasse euch nun alleine mit meinen Gedanken. Werde mich für morgen, den kurzen Tag in dieser Woche, mal wieder zu wenig ausschlafen. Um dann in Kaffee ertrinken zu wollen. So wie Obelix im Zaubertrank.

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 700. Eintrag

Hobo Blues

 

Gestern habe ich ja dieses eine Bild von uns beiden gefunden. Habe es mir minutenlang angesehen. Habe dir tief in deine virtuellen und (bei 10.000facher Vergrößerung) pixeligen Augen gesehen. Und habe bemerkt, dass es schon damals da war. Deine Unfähigkeit mich zu lieben. Ich gebe dir für alles die Schuld. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ja, ich lehne mich einmal so weit aus dem Fenster. Du bist zu jung, um … ja, da bist zu jung für eine ernsthafte Beziehung. Du lässt dich viel zu sehr von allem anderen beeinflussen. Du warfst mir Dinge an den Kopf, welche du jetzt selbst praktizierst. Du kommst erst jetzt in diese Jahre deiner Jugend, mit denen ich gerade fertig werde. Diese Jahre voll Selbstzweifel, Angst, Ungewissheit und vielleicht auch Selbsthass. Du wirst es nicht immer schaffen, den Halt da zu suchen, wo er bis jetzt immer war. In den kommenden Jahren wird dein Leben so manches Mal zusammenbrechen und sich aus den Trümmern wieder aufbauen. Es werden harte Jahre. Aber du schaffst es sicher nicht. Schaffst es nicht, stets mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen. Ja, damals hast du mir, und die Beziehung zu mir die Schuld gegeben. Aber nein, es lag nicht an mir. An meiner „Sicht der Dinge“. An meinem umschwänglichen Pessimismus. Es lag an dir. Und an deiner Unfähigkeit die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Es tut mir leid, dass ich dir jetzt wieder schreibe. Dass ich dir diese Dinge an den Kopf werfe. Aber es muss sein. Erst gestern wieder habe ich dich in meinem Tagebuch erwähnt. Ich habe meinem Tagebuch erzählt, dass meine Liebe zu dir um ein so großes Extrem verschwunden ist. Dass nur mehr ein kleines bisschen Liebe da ist. Gerade einmal genug, um eine Freundschaft weiter aufzubauen. Ich konnte dich stets lieben. Ich habe dich auch stets geliebt. Aber erst jetzt habe ich gesehen, dass du es schon lange nicht mehr konntest.

 

Offenbare ich zuviel meines Lebens in dieser „Neon Wilderness“? Dieser Gedanke kam mir erst kürzlich, heute vormittag, als mich meine Deutsch-Professorin darauf ansprach, dass sie aus meinen Texten, welche ich in der Lesung vortrug, heraushörte, dass ich mit meiner Rolle nicht zufrieden sei. Mit meiner Rolle, die ich in der Schule innehabe. Ihr wisst schon, welche Rolle ich meine. Und sie hat mich gefragt, warum ich nichts dagegen unternehme. Vielleicht aus reiner Faulheit. Es sind doch nur mehr drei Wochen. Ich habe mich verändert. Und manchmal genieße ich auch wieder das Stehen im Mittelpunkt. Aber man muss mir auch diese Momente der Stille, der Ruhe einräumen. Ich bemühe mich nicht mehr, meine Rolle für diese drei Wochen abzulegen. Es wäre zu anstrengend. Und irgendwie wird es auch von mir erwartet. Ja, ich lasse mich formen. Ich habe mich jahrelang formen lassen. Es kommt doch so viel nach der Matura(reise). Lassen wir es einfach kommen.

 

Die Schule, selbst wenn ich nicht mehr viele Stunden dort verbringe. Vielleicht mal drei Stunden vormittags, zwei nachmittags. Sie macht mich müde. Und in den nächsten Tagen werde ich so viel lernen müssen, werde so viel durchgehen müssen, Psychologie, Philosophie, Deutsch, Musik. Mathematik. Es kommt so viel zusammen. Und ich schaffe es kaum, mich richtig zu konzentrieren. Ich werde es schaffen. Jetzt, nachdem ich den Führerschein komplett auf Juli verlegt habe. Um mich auf die Matura zu konzentrieren. Irgendwann in der Woche vom 18. – 22. Juni werde ich meine fünf mündlichen Prüfungen ablegen müssen. Und was kommt dann? Maturafeier mit den Eltern (in einem Gasthaus), Maturafeier in der Schule, Maturafeier in unserer Klassenparty-Location, Maturareise. Es lohnt sich schon irgendwie, sich jetzt noch einmal richtig reinzuhängen.

 

Das Wetter macht mich fertig. Nachdem ich schmerzhaft bemerken musste, dass meine Bankomatkarte in meiner bevorzugten Bank als defekt bezeichnet wird, da sie schon zu sehr beschmutzt ist, stellte ich mich eben an, um als nächster beim Schalter dranzukommen. Und da sah ich es. Die kommenden Temperaturen für den Bezirk Gmunden. Donnerstag 31°. Freitag 32°. Ich werde wohl zum See gehen müssen. Mit den ganzen Sachen zum Lernen. Mit einem Buch. Und nicht zum Seebahnhof, sondern zum Weyer. Damit mich niemand stören kann. Oder vielleicht lege ich mich auch einfach nur auf den Rücken, irgendwo auf einer unbefahrenen Straße, warte, bis der Asphalt aufschmilzt und mich verschluckt. Oder auf eine Wiese, warte, bis sie zu Brennen beginnt. Oder auf ein Brett, warte, bis ich selbst ausgetrocknet bin und total verdörrt mir den letzten Atemzug genehmige. Aber der See klingt doch irgendwie besser.

No Way Back

 

Im Mai beginnt der Anfang vom Ende unserer Freundschaft …

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Neun Jahre gehe ich schon zu dir. Jeden Tag öffnest du mir die Tür. Gewährst mir Eintritt in die heiligen Hallen des Wissens. Seit 9 Jahren, obwohl es ja eigentlich nur acht Klassen gibt. Ja, du hast mich wiederholen lassen. Eine Ehrenrunde in der dritten. Ja, die achte Klasse, die 12. Schulstufe. Das Ende einer Ära.

Und mir fällt es auf … dass du mir von Jahr zu Jahr immer größere Steine in den Weg gelegt hast. In der siebten Klasse wieder ein ganz großer Brocken. Nachprüfung nanntest du es. Ich habe sie geschafft. Zwar ganz knapp, aber besser eine -4 als eine weitere Runde in der Schule. Die ich sowieso nicht gemacht hätte.

Jetzt denke ich oft an dich. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem ich dich nicht mehr sehen muss. Nicht jeden Tag. Immer und immer wieder. Dass ich nie mehr wieder gezwungenermaßen in dein Antlitz sehen muss. Dass du mich nie mehr unter Druck setzt.

Am 7. Mai beginnen die schriftlichen Prüfungen. Englisch, Deutsch und Mathe habe ich gewählt. Nein, halt … Mathe ist Pflicht. Und gerade vor dem habe ich Angst. Denn Mathe war noch nie meine Stärke. Es wird es wohl auch nie werden. Aber sollte Mathe denn wirklich Schuld daran sein, dass ich dich im Herbst wiedersehe?

Ende Juni fangen wir dann mit den mündlichen Prüfungen an. Englisch, mit Spezialgebiet Oscar Wilde; Deutsch, mit Spezialgebiet Franz Kafka; Philosophie, mit Spezialgebiet Jean-Paul Sartre und Musik, mit Spezialgebiet Claude Debussy. Vor diesen Prüfungen habe ich keine Angst. Auf diese Prüfungen freue ich mich. Ich kann gut frei sprechen, interessiere mich für diese Dinge … das dürfte eigentlich kein Problem werden …

Ich will dich nie mehr sehen. Ich sehne mich in den Monat Juli, wo ich auf Maturareise bin, wo ich all die Qualen, die du mir während dieser 9 Jahre bereitet hast, unter den Tisch trinken werde. Zurzeit hasse ich dich sogar. Aber ich kann dir nie lange böse sein. Denn bin ich das, vernachlässige ich dich, so geht es mit mir bergab.

Es war ja eigentlich doch eine schöne Zeit. Mit dir. Du gabst mir Wärme, du gabst mir Zukunft. Du bereitetste meinen Weg. Du gabst mir Visionen. Du gabst mir Hoffnung. Du ließest mich strahlen, wenn ich wirklich etwas Gutes geleistet hatte. Du warst immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Ich konnte eigentlich gar nicht anders, als zu dir eine Art Beziehung aufzubauen. Eine Art Hassliebe.

Und deswegen … danke, liebe Schule.