No Way Back

 

Im Mai beginnt der Anfang vom Ende unserer Freundschaft …

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Neun Jahre gehe ich schon zu dir. Jeden Tag öffnest du mir die Tür. Gewährst mir Eintritt in die heiligen Hallen des Wissens. Seit 9 Jahren, obwohl es ja eigentlich nur acht Klassen gibt. Ja, du hast mich wiederholen lassen. Eine Ehrenrunde in der dritten. Ja, die achte Klasse, die 12. Schulstufe. Das Ende einer Ära.

Und mir fällt es auf … dass du mir von Jahr zu Jahr immer größere Steine in den Weg gelegt hast. In der siebten Klasse wieder ein ganz großer Brocken. Nachprüfung nanntest du es. Ich habe sie geschafft. Zwar ganz knapp, aber besser eine -4 als eine weitere Runde in der Schule. Die ich sowieso nicht gemacht hätte.

Jetzt denke ich oft an dich. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem ich dich nicht mehr sehen muss. Nicht jeden Tag. Immer und immer wieder. Dass ich nie mehr wieder gezwungenermaßen in dein Antlitz sehen muss. Dass du mich nie mehr unter Druck setzt.

Am 7. Mai beginnen die schriftlichen Prüfungen. Englisch, Deutsch und Mathe habe ich gewählt. Nein, halt … Mathe ist Pflicht. Und gerade vor dem habe ich Angst. Denn Mathe war noch nie meine Stärke. Es wird es wohl auch nie werden. Aber sollte Mathe denn wirklich Schuld daran sein, dass ich dich im Herbst wiedersehe?

Ende Juni fangen wir dann mit den mündlichen Prüfungen an. Englisch, mit Spezialgebiet Oscar Wilde; Deutsch, mit Spezialgebiet Franz Kafka; Philosophie, mit Spezialgebiet Jean-Paul Sartre und Musik, mit Spezialgebiet Claude Debussy. Vor diesen Prüfungen habe ich keine Angst. Auf diese Prüfungen freue ich mich. Ich kann gut frei sprechen, interessiere mich für diese Dinge … das dürfte eigentlich kein Problem werden …

Ich will dich nie mehr sehen. Ich sehne mich in den Monat Juli, wo ich auf Maturareise bin, wo ich all die Qualen, die du mir während dieser 9 Jahre bereitet hast, unter den Tisch trinken werde. Zurzeit hasse ich dich sogar. Aber ich kann dir nie lange böse sein. Denn bin ich das, vernachlässige ich dich, so geht es mit mir bergab.

Es war ja eigentlich doch eine schöne Zeit. Mit dir. Du gabst mir Wärme, du gabst mir Zukunft. Du bereitetste meinen Weg. Du gabst mir Visionen. Du gabst mir Hoffnung. Du ließest mich strahlen, wenn ich wirklich etwas Gutes geleistet hatte. Du warst immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Ich konnte eigentlich gar nicht anders, als zu dir eine Art Beziehung aufzubauen. Eine Art Hassliebe.

Und deswegen … danke, liebe Schule.

Father And Son

 

Ich hatte immer einen Vorsatz … ich möchte nie so ein Vater sein, wie du es bist.

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Wir sprechen wieder miteinander. Nach zwei großen, ausartenden Differenzen sprechen wir wieder miteinander. Nehmen uns wieder ernst. Sprechen auf Vater-Sohn-Basis. Doch ich habe mein Vertrauen in dich verloren.

Wenn ich an meine Familie denke, denke ich immer zuerst an meine Mutter. Sie war immer für mich da. Sie unterstützte mich immer, soweit es ging. Kam ich von der Schule nach Hause, war sie schon da. Musste ich mal weg, konnte sie mich irgendwo hinfahren. An dich erinnere ich mich immer nur, wie du abends nach Hause kamst, schnell etwas aßt und dann auf der Couch schliefst. Ich erinnere mich an dich nur als einer, der so viele Zigaretten rauchte, der leicht ausrastete, und dem man nur schwer etwas recht machen konnte.

Ich habe dir schon oft an den Kopf geworfen, dass du nicht mein Vater seist. Du seist nur mein Erzeuger. Ein Vater ist auch für einen da. Du bist mein Vater, das weiß ich, und das weißt auch du. Nur ich verstand und verstehe es immer noch nicht, warum du dir so wenig Zeit für deine Familie genommen hast. Warum dir die Arbeit so wichtig war, warum der Stammtisch und deine kommunalpolitische Arbeit so viel Zeit in Anspruch nehmen konnte, die Familie dabei aber nur einen kleinen Platz in deinem Leben bekommen hat.

Du hast dich manchmal nicht mehr unter Kontrolle. Von meiner Mutter habe ich vielleicht drei verdiente Ohrfeigen bekommen. Von dir mehr. Nein, du hast mich nie grün und blau geschlagen. Ohrfeigen waren es. In einem Streit. Wo du dich einfach nicht mehr zu helfen wusstest. Damit hast du mich einfach enttäuscht. Ich dachte, man kann all das auch anders lösen. Anders als mit dem Schlagen eines Kindes, oder eines jungen Mannes.

Jetzt, wo mein Neffe, dein Enkelsohn da ist, da denke ich mir … wenn du doch nur so viel Zeit mit mir verbracht hättest. Du würdest mich dann verstehen. Würdest zu mir helfen. Würdest dich auf meine Seite stellen. Wärst Vater und Ansprechpartner. Aber das bist du einfach nicht. Und ich will eben dies sein.

Aber ich merke es, in meinen Zügen, meinem Verhalten, meinem Auftreten und allem … ich werde dir immer ähnlicher. Es gibt ihn also wirklich, diesen Teufelskreis. Man kommt aus dieser Rolle, die man von einem Vater gelehrt bekommt, nicht mehr heraus. Für Generation wird das weitergegeben.

Aus Erzählungen von meiner Mama habe ich erfahren, dass du es mit deinem Vater auch nicht leicht hattest. Ich habe ihn leider nie kennen gelernt. Er starb bevor ich überhaupt realisieren konnte, dass er mein Großvater war. Aber kannst du dich noch ändern? Kannst du noch das werden, was ich von dir verlange? Möchtest du das überhaupt?

Ich würde es mir wünschen … aber sei wenigstens ein guter Großvater für meinen Neffen. Dass du wenigstens da einmal etwas richtig machst.

Don’t Look Back In Anger

Das Gras kitzelt meinen Nacken, doch mir ist alles egal
Ich liege hier in der Wiese, lasse mich von der Sonne wärmen
Träume von einem Leben, welches ich nie hatte
Träume von einem Leben, welches ich immer wollte.
Träume können wahr werden.
Man muss es nur versuchen.
Ich traue es mich.
Ich traue mir diesen Schritt zu.

aus tellmeapoem.wordpress.com

Ich Hasse Dich

Diesen Text habe ich gerade auf meinem PC gefunden. Ich habe ihn im September 2005 geschrieben, während dem großen Streit zwischen Elli und mir. Interessant … ja, jetzt ist er eigentlich nur noch …. Interessant.

Ja,es geht mir beschissen

Ja,es ist wegen dir

Doch davon willst du nichts wissen

Sonst wärst du sicherlich hier

Bei mir

Ich finde es ungerecht, dass du es so hinstellst,als wäre ich daran schuld, dass es dir beschissen geht. Ich denke, du hast viel selbst dazu beigetragen, dass es dir jetzt so geht, wies dir geht. Was ist überhaupt passiert, dass es jetzt so ist, wie es ist. Ja, es ist beschissen. Ja, es scheint leicht besser zu werden. Und ja, ich glaube, dass es bald wieder schlechter wird. Warum ich das glaube? Weil du wieder wegen einer kleinen Kleinigkeit, wegen etwas, was du falsch verstanden hast, auszucken wirst, nicht mehr mit mir sprechen wirst, dich von mir abwenden wirst.

Es ist falsch, nur dem anderen die Schuld zu geben, und einen Song, der den Refrain „Ich hasse dich“ beinhaltet, einem besten Freund (ich hoffe doch, dass wir immer noch allerbeschte Freunde san) zu widmen, oder sagen mir auf ihn abzuzielen ist irgendwie schon gemein. Mir gehts auch ned unbedingt super. Okay, mir gehts auch beschissen. Aber ich finde es einfach ungerecht, dass ich an unsere Misére schuld bin. Du willst doch immer alles von mir wissen, du gibts niemals ruhe, wenn ich etwas vor dir verheimliche. Und, das, was ich vor dir verheimliche, ist eigentlich keine große Sache … ich bin mir nur bewusst, dass du da vollkommen anderer Meinung bist. Und deswegen kann ich einfach nicht mit dir drüber reden. Und weißt du, warum ich letzten freitag nicht gekommen bin? nein, nicht weil es mich nicht gefreut hat … sondern aus trotz. Über zweite zu erfahren, dass etwas bei dir ist … und dann mich so fragen, als ob das e selbstverständlich wäre, dass ich es wissen müsse … nein, das brauchte ich sicher nicht.

Ich weiß nicht genau, was das Problem zwischen uns zurzeit ist. Vielleicht unsere Vergangenheit, vielleicht auch der Ausspruch über „ich habe dich während der zwei wochen vermisst“ … „ähm … hust …“ . Wenn es letzeres ist, dann hast du mich einfach falsch verstanden. Ich bin einfach nur der Meinung, dass uns dieser Abstand gut getan hat … du siehst es ja, wie es ist, wenn wir aufeinander treffen. okay, früher war das anders. früher war alles besser. früher waren wir freunde, freunde fürs leben, freunde, die keiner trennen konnte, freunde, über die man sprach, freunde, von denen jeder wusste, dass sie freunde sind. Einfach Freunde, wie man sie sich eigentlich nicht besser vorstellen konnte. doch dann ist es halt passiert … 8 … 9 mal … es war dann mehr als freundschaft. es war liebe, liebe, die aber über die freundschaft hinausging, und dir aber zu wenig für eine beziehung war. das wollte ich nicht. wie ich dir schon einmal sagte, ich wäre für eine beziehung aufgeschlossen gewesen …. ich schon. Aber wenn es so geblieben wäre, wie es war, dass hätte ich nicht länger ausgehalten.

was ich jetzt will, ist freundschaft. Freundschaft wie wir sie schon einmal hatten. Freundschaft, die auch bei kleinen auseinandersetzungen höchstens zu einem lachanfall führt (ja, so war es einmal bei uns). Ein freundschaft, die keiner trennen kann … außer wir selbst. und ich muss dir sagen, du bist mir wichtig. du bist sicherlich eine der wichtigsten personen in meinem leben. aber ich muss auch vor dir geheimnisse haben können. ich muss auch neben dir einen kumpel haben können, mit dem ich vielleicht darüber schon rede, was ich dir verheimliche. du musst einfach verstehen, so, dass es nur dich, und sonst keinen gibt, so ist es sicherlich nicht. ich bin ein mensch, der freunde braucht. Ich habe dich, als meine wichtigste freundin vielleicht sogar schon verloren. aber ich brauche dich, ich brauche dich, genauso wie ich meine dani, meine andi oder meinen datsch, meinen lucky brauche. jemanden, der zu mir hält, der mich stützt, der mit mir lacht … oder der einfach mit mir spricht.

du weißt, dass es für mich das schwerste ist, wenn jemand nicht mit mir spricht. und ich finde es deswegen auch eine so unglaubliche gemeinheit, als du einige stunden kein wort mit mir gewechselt hast.

Aber ist es eigentlich nicht traurig, wie sich alles entwickelt hat. Von einer normalen Freundschaft (schuljahr 2003/04) zu einer unglaublichen Freundschaft (04/05) hin zu einem kompletten chaos. streiten wir uns denn nicht über die kleinsten dinge. über dinge, die uns in einer unglaublichen Freundschaft gar nicht besorgt hätten, oder über die wir normal hätten reden können. ja, zeiten ändern sich, aber ich denke nicht, dass menschen sich so ändern können. ich glaube, ich habe mich nicht verändert … außer, dass ich jetzt neben dir einen vergleichbaren Freund, die dani habe. Mit der ich auch über alles rede, mit der ich auch gerne Zeit verbringe, mit der ich auch fast täglich telefoniere, ICQe … das hat sich meinerseits geändert, aber wenn dich das stört, denke ich, dass du wirklich ein Problem hast. Denn dann würde ich mich sicherlich sehr eingeengt fühlen, wenn du von mir verlangen würdest, dass ich auf meinen kumpel verzichten solle.

wir sind auch alle nur menschen. menschen. keine instinktfolgenden tiere, gehirngesteuerte menschen sind wir. und gerade deswegen fällt es uns vielleicht so schwer, einen streit wieder abklingen zu lassen. weil wir mit aller gewalt versuchen, unseren willen durchzusetzen. ich denke, wir beide sind riesige sturköpfe. wir wollen unser ding durchsetzen … aber was wollen wir eigentlich.

Ist es nicht so, dass wir beide eine Freundschaft wie früher wollen? Eine so geniale Freundschaft wie früher? Wo wir über alles sprechen, über naja, fast alles … wo wir auch geheimnisse voreinander haben konnten, wo wir auch einmal mit jemand anderen zeit verbringen konnten, wo wir auch einmal etwas falsches sagen konnten, oder falsch verstehen konnten. wo nicht jeder kleinste kritikpunkt am anderen zu einem zoff führt, wo dann eine woche nicht miteinander gesprochen wird.

Denn da alle liebenden innerlich noch Kind,

Und da die die reinen Herzens handeln unsere grössten helden sind,

Rett‘ ich die Welt mit deiner Liebe in mir,

Denn ich bin für dich da, nein ich bin wegen dir hier,

Da dir die Fähigkeit zu lieben geblieben ist,

und die Kraft zu Vergeben ein Bestandteil deines Lebens ist,

wurde ich erweckt und was tief in mir schlief,

Führt nun Feder und schreibt dir diesen Liebesbrief.

Die Kraft zu vergeben … haben wir die? dass wir die fähigkeit zu lieben verleiht bekommen haben, wissen wir. vielleicht auch die fähigkeit zu hassen, aber können wir auch vergeben? und haben wir jemals versucht, mit reinem herzen zu handeln? Und es stimmt, ich bin für dich da, ich bin wegen dir hier. Ich schreibe diesen langen eintrag, weil es mir einfach so wichtig ist. Ich will dich nicht verlieren, ich will wieder ein normales verhältnis mit dir haben. Ich will wieder geheimnisse haben können, ich will wieder dein bester freund sein, ich will wieder der mann ein deiner seite werden. einer, der mit dir am 4. mai nacktbadet, oder einer, der im SB unter der Dusche (SB) macht … oder einer der in deinem bett liegt, Coldplay horcht, und lächelnd daran zurückdenkt, was bei dem song schon alles passiert ist. wir haben viel erlebt, vielleicht bzw. wahrscheinlich zu viel. aber wie gesagt, können wir auch vergeben? haben wir die kraft dazu

Oder willst du einfach nicht. Reicht es dir? willst du jemand anderen als besten freund. dann bitte ändere den Song in deinem „Über mich“ text. Und eines möchte ich dir noch sagen, das „Das beste“ von silbermond, als ich das zum ersten mal hörte … ich dachte nicht an dich. und jene, an die ich gedacht habe, darum geht es auch in meinem geheimnis. als denk einmal nach, wann ich mit diesem song angefangen habe …

ich kann mir schon vorstellen, dass du wissen willst, warum es mir zeitweise schlecht geht (leider vor allem am wochenende) … aber das ist etwas, mit dem ich mit mir bedenken will, bzw. wo ich mit da dani spreche.

ich hoffe du liest diesen text, ich hoffe du verstehst diesen text, ich hoffe du nimmst diesen text ernst …. und ich hoffe weiters, dass unsere freundschaft wieder zu dem wird, was sie schon einmal war.

10 Dinge, die ich an dir hasse

Ich hasse es, wie du zu mir sprichst
Ich hasse es, dass du mich verändern möchtest
Ich hasse es, wenn du über mich urteilst
Ich hasse es, welche Anforderungen du an mich stellst
Ich hasse es, dass ich der einzige bin, der „Ich liebe dich“ ehrlich sagt
Ich hasse es, dass du mich nie anrufst, wenn du es versprochen hast
Ich hasse es, wie du immer eine Ausrede findest, dass wir uns nicht treffen
Ich hasse es, wie du mich zappeln lässt
Ich hasse es, wie du dich bei mir entschuldigst
Ich hasse es, wenn du nicht bei mir bist

Doch am meisten hasse ich, dass ich dich nicht hassen kann
… nicht einmal annähernd …
… nicht einmal ein bisschen …
… überhaupt nicht …

We Used To Be Friends

 

Wir waren unzertrennlich, doch du zogst weg. War trafen uns endlich wieder, doch du kanntest mich nicht. Weißt du überhaupt noch wer ich bin?

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Seit Jahren gab es 1998 wieder einmal eine reine Jungenklasse in meinem Gymnasium. Ich mittendrin. Und du. Wenn ich dich nach den ersten Wochen unschuldigen Kennenlernens ansah, ich mit dir sprach, dann fühlte ich mich wohl. Du warst mein Freund, mein bester. Wir haben uns zwar nie außerhalb der Schule getroffen. Aber wir haben uns gegenseitig den Schulalltag versüßt. Beide frech, beide unaufmerksam, beide humorvoll. Wir waren sozusagen seelenverwandt … ich weiß, dieser Ausdruck wird viel zu oft benutzt, aber ich glaube dieses Mal trifft er zu … wir waren unzertrennlich. Uns verband eine Art freundschaftlicher Liebe zueinander. Gemeinsam waren wir stark. War einer von uns krank, fehlte dem anderen etwas.

Doch dann zogst du weg, weit weg, viele Kilometer von mir entfernt, deine Mutter holte dich zurück zu sich. Du gabst vielen Leuten deine Telefonnummer, damit wir dich anrufen konnten. Über die Ferien hatte ich sie verloren. Ich habe dich nie angerufen. Nie. Ich bemühte mich selbst zwei Jahre später noch, um an deine Nummer zu bekommen. Aber ich habe dich nie angerufen.

Oft dachte ich an dich, und selbst jetzt, acht Jahre später denke ich immer noch oft an dich, wenn ich über Freundschaft und Freunde nachdenke. Du warst mir so wichtig, in diesem einen Jahr. Wie konnte ich nur alles so leicht aufgeben? Diese Freundschaft hätte sicher viele Jahre, trotz der Entfernung gehalten, wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte. Oder auch wenn du …

Vier Jahre später traf ich dich wieder. Ich erkannte dich sofort, als du vom Steg in den See sprangst. Du hattest noch immer das gleiche oder zumindest die Züge des 10-jährigen Freundes, den ich verloren hatte. Ich wusste deinen Namen, traute mich aber nicht, dich anzureden. Vielleicht würdest du es mir vorwerfen, dass ich mich nicht gemeldet habe. Vielleicht würdest du mir vorwerfen, dass ich daran schuld bin, dass unsere Freundschaft zerbrach.

Unter irgendwelchen Umständen sprachst mich glaube ich dann du an. Meinen Namen wusstest du nicht mehr. Wusstest auch nicht mehr genau, woher du mich kanntest. Wir tauschten wieder Nummern aus. Du wohntest wieder in meiner Umgebung. Und trotzdem meldeten wir uns nie. Trafen uns nie allein.

Die Jahre vergingen wieder, und im Jänner des letzten Jahres begann ich mit meinem Führerschein. Und als ich nach dem dritten Modulvortrag wieder ins Büro, ins Wartezimmer ging, wen sah ich? Dich. Kaum verändert. Gewachsen. Immer noch das gleiche Lächeln. Ich dachte wieder zurück. Ich vermisste die Freundschaft zu dir jeden Tag. Wir redeten, den typischen Smalltalk. Du wusstest immer noch nicht, dass wir einmal beste Freunde waren. Ich war nur einer von denen, mit denen du einmal in die Schule gegangen bist … mehr nicht.

Als ich meiner jetzigen besten Freundin davon erzählte, begann sie mit einer Geschichte, die ich kaum glauben konnte. Sie hatte einmal etwas mit dir. Und sie wisse, dass du viel zu sehr in den Drogensumpf abgedriftet bist. Dass du mehr als nur leichte Drogen konsumierst.

Ich finde es schade, dass wir uns schon so bald kennengelernt haben, denn je älter ich wurde, desto wichtiger wurden mir auch Freunde. Ich hätte dich nicht mehr losgelassen. Ich hätte dich vielleicht davor bewahren können. Wir könnten vielleicht immer noch Freunde sein. Beste Freunde vielleicht. Aber wir sind es nicht.

You Don’t Know Me At All

 

Wir werden wohl nie Freunde sein. Aber leider sind wir dazu verpflichtet, Geschwister zu sein.

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Du bist die wohl einzige Person, die ich im Moment wirklich hassen möchte. Obwohl es dann doch wieder nicht geht. Ich bin mit dir verwandt, du bist meine Schwester. Gibt es da nicht auch irgendwie eine Sache mit bedingungsloser Liebe? Zumindest kann ich dich kaum leiden. Aber warum?

Du bist zweieinhalb Jahre älter als ich. Wohnst seit einige Monaten wieder bei uns. Es scheint so, als hättest du schon so viel in deinem Leben erreicht, so viel gesehen, so viel erfahren. Doch eigentlich bist du noch gleich dumm wie früher.

Das einzig gute, was du in deinem Leben zustande gebracht hast, ist dein Sohn, mein Neffe, jetzt acht Monate alt. Mit deinem Freund, meines Neffen Vater ist es kurz vor der Geburt wieder auseinander gegangen. Du hast jetzt einen neuen Freund. Schmiedest mit ihm schon wieder Pläne für die Zukunft.

So viele Jahre sind vorübergegangen. Fast 19 Jahre habe ich dich nun als meine Schwester. Und so viele Streite sind bisher entstanden. So viele sind ausgeartet. Wir haben uns geschlagen, gekratzt, uns gegenseitig bedroht, Dinge gemacht, die man eigentlich in unserem Alter nicht mehr machen sollten. Und es wird nicht besser. Du verstehst keine Kritik, und ich ebenso nicht.

Wir sind jetzt, im Alter von 18 und 21 immer noch die gleichen verbohrten Hohlköpfe, wie wir es schon immer waren. Keiner von uns will nachgeben, jeden frisst der Neid, jeder ist eifersüchtig.

Aber warum musst du mir immer das Gefühl geben, ich sei nichts wert. Ich würde das Abitur (in Österreich die Matura) nicht schaffen. Ich sei sowieso nur ein Vollidiot, der nichts zusammenbringt. Warum stellst du dich immer so hin, als würdest du alles besser wissen. Und warum redest du trotzdem mit mir, selbst wenn ich es tagelang vermieden habe, dich anzusprechen …

Ich versuche dich nicht ernst zu nehmen, doch es gelingt mir kaum. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von dir. Enttäuscht, dass nicht einmal meine Schwester mir etwas zutraut. Dass meine Schwester nicht hinter mir steht. Dass in meiner Familie nur meine Mutter die Ansprechpartnerin für alles ist.

In so vielen Familien sehe ich genau das, was ich auch bei uns gern sehen würde. Dass wir Freunden wären. Leute, die über alles miteinander reden. Leute, die vielleicht auch mal längere Zeit damit verbringen, ohne dass irgendjemand ausrastet und mit Sachen um sich wirft. Vielleicht gibt es ein Problem. Ich bin dein kleiner Bruder, du bist meine Schwester. Wärst du mein Bruder, ich glaube, da würde vieles leichter sein.

Ich möchte dich gerne besser kennen lernen, ich möchte, dass wir zumindest als normale Geschwistern miteinander leben können. Vielleicht schaffen wir das irgendwann. Freunde werden wir wohl sowieso nie …

Goodbye, Brother

 

Gerade jetzt bräuchte ich einen Bruder

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Ich wurde im Mai 1988 geboren, 2 1/2 Jahre nach der Geburt meiner Schwester. Ich war also das Nesthäkchen, der Jüngste der Familie. Nun werde ich bald 19. Meine Schwester hat inzwischen selbst ein Kind … doch irgendwie fehlt mir etwas.

Dreiundzwanzig Jahre wärst du heuer geworden. Wärst mein großer Bruder gewesen. Wahrscheinlich die einzige Person, die mich in diesem Haus wirklich verstanden hätte. Du wärst jener, der sich auch für mich eingesetzt hätte. Meine Stütze, mein Freund, mein Mit-Mir-Träumer. Aber das alles bist du nicht. Du bist tot.

Totgeboren am 3. September 1984. Du bist das erste Kind meiner Eltern. Durch ungenaue Arbeit im Krankenhaus wurde nicht bemerkt, dass dein Puls immer weiter nachlässt. Als du endlich das Licht der Welt erblickt hattest, war es schon zu spät. Du hast nichts erlebt.

Ich habe nicht oft mit meiner Mutter über dich geredet. Ihr fällt es sichtlich schwer, sich daran zu erinnern wie es war. Du wirst in unserer Familie totgeschwiegen. Du wirst nicht als Florian bezeichnet, den Namen hättest du eigentlich bekommen, sondern als „das Kind vor Michaela“ oder „das erste Kind“. Das hasse ich. Du bist mein Bruder. Du bist Florian.

Du fehlst mir. Ich habe dich nie gesehen, habe dich nie gekannt, habe nichts von dir bisher gehabt, aber ich weiß immer, dass du da bist. Selbst mein Tagebuch richte ich an dich. „Lieber Florian“ … du sollst an meinem Leben teil haben. Gerade jetzt. Gerade jetzt … wo sich alles so verändert. Wo ich mich so verändere.

Ich hasse dich. Oder falsch … nein … ich hasse es, dass ich dich eigentlich fast gehabt hatte, als großer Bruder, als Freund, als Gesprächspartner. Ich bräuchte dich so sehr. Aber du bist nicht hier. Du gibst mir nicht Antwort, wenn ich mit dir spreche. Du lässt mich mit meiner verrückten Familie, mit meiner bescheuerten Schwester allein. Ich weiß, ich klinge gerade egoistisch … aber das empfinde ich einfach so. Du fehlst mir. Ich bräuchte dich.

Aber eine Frage stelle ich mir schon seit langem: Wärst du nicht totgeboren, wärst du das erste lebendige Kind meiner Eltern … gäbe es dann überhaupt mich?

Another Round

Noch nie waren wir so kurz davor. Noch nie sind wir so voneinander geschieden. Noch nie habe ich ein so schlechtes Gefühl bekommen. Noch nie fühlt ich mich so unwohl. Noch nie.

Bis heute.

Ja, ich hatte Zweifel. Ja, ich habe Sachen geträumt, die eben ein Traum waren. Ja, ich kann mich kaum mehr an einen Gänsehaut-Moment von uns in letzter Zeit erinnern. Ja, es fehlt mir.

Du fehlst mir. Deine Umarmungen. Deine Küsse. Das Alles. Sind wir wirklich nur noch Freunde. Ist es so weit gekommen, wie wir es schon vor einem Monat gewusst haben.

Können wir unser Problem nicht mehr überspielen. Fehlt es uns an Willen. An Überzeugung. An Hoffnung. Ich verstehe es nicht.

Ich verstehe schon lange nichts mehr

Vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe


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Wir dachten, es könnte uns nichts passieren … aber in Sachen Liebe sollte man das Denken wohl lieber lassen.

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Einen letzten Kuss möchte ich, nur damit ich weiß, wann ich den vielleicht letzten Kuss von dir bekommen habe. Langsam bewegst du dich auf mich zu. Wir sehen uns in die Augen. In deine so schönen Augen. Glänzend vor lauter Tränen. Du legst langsam deine Hände um mich, ich tue es dir gleich. Unsere Lippen berühren sich, und jede einzelne Träne, die aus deinen wunderschönen Augen gefallen ist, und sich einen Weg auf deinem Gesicht gesucht hat, jede einzelne Träne spüre ich, wenn sich unsere Lippen berühren.

Sie schmecken salzig, warm. Ich spüre es wieder. Die zittrigen Knie, so wie bei unserem ersten Kuss. Ich möchte dein sein, möchte mich fallen lassen, möchte dass dieser Kuss ewig andauert. Ich möchte, dass dieser Tag nicht geschehen ist. Ich möchte versuchen, all das zu vergessen. Doch es geht nicht. Unsere Lippen lösen sich. Ich blicke dir noch einmal in die Augen. Man kann das ganze nicht einfach vergessen. Diese Augen, dieses Gesicht. Ich möchte nicht weg. Ich möchte bei dir bleiben, möchte in deinen Armen einschlafen. Doch ich drehe mich um und gehe. Ohne mich ein einziges Mal umzudrehen. Warum muss ich gehen? Worum ging es in unserem Streit überhaupt? Können wir nicht einfach morgen darüber lachen?

Ich habe vieles erwartet, mit vielem gerechnet, aber ich habe gehofft … gehofft, dass alles gut ausgeht. Dass du auf unsere Beziehung vertraust. Dass du deinen Gefühlen nachgibst. Dass du mich nicht nur als besten Freund haben möchtest. Dein Telefongespräch freute mich. Es ließ einen schrecklichen Tag doch noch gut werden. Deine Stimme zu hören, mit dir eine halbe Stunde zu reden, diesen Ausstoß von Glückshormonen hatte ich bitter nötig.

Den ganzen Tag machte ich mir Gedanken, mein Kopf war immer in Arbeit, ich hatte keine ruhige Minute ohne einen Gedanken an dich. Es ist schon schrecklich genug, wenn man während der Weihnachtsferien in die Schule kommen muss, um die Choreografie für den Abschlussball immer und wieder durchzuüben. Aber mit diesen Gedanken im Hinterkopf war es noch schlimmer.

Ich konnte nicht einmal ruhig schlafen. Es gibt nicht viele Gründe warum ich nicht schlafen kann. Vollmond, zuviel Koffein … dass sind normalerweise die einzigen Gründe. Aber nachdem ich heimgekommen war, versuchte ich zu schlafen, mir war zu kalt … und das Nachdenken ließ mir auch keine Ruhe. Als ich endlich einschlief, wachte ich jede halbe Stunde auf. Immer mit den Gedanken im Kopf.

Der eine Kuss. Von Tränen getränkt.

Wie war es nur so weit gekommen? Warum war überhaupt von Trennung die Rede? Und was war der Ausgangspunkt unseres Streites? Wenn du mich nur als besten Freund haben willst, sage es mir. Dann ist es das Gescheiteste, wenn wir Schluss machen. Oder wollen wir es wieder versuchen, Beziehung und gute Freundschaft? Ich brauche nur Gewissheit. Und die erhielt ich an diesem Abend nicht. Der Streit, so … übertrieben, so … sinnlos. Argumente, die wir uns an den Kopf warfen, von welchen wir heute nur mehr die wenigsten wissen, und diese auch meist nicht vertreten können.

Wie du zu weinen begonnen hattest. Als ich sagte, ich wollte noch nach Hause gehen. Um 2 Uhr morgens. Du hattest Angst um mich. Du begannst zu weinen. So ehrlich, so bitterlich, so sorgend.

Wir sollten reden. Darüber, dass ich es nicht schaffe, auf die Beziehungskiste komplett zu verzichten und nur auf guten Freund zu machen. Ich möchte dich küssen, wann ich will. Ich möchte dich umarmen, wann ich will. Und ich möchte dir in die Augen sehen, ohne das Gefühl zu haben, dass du dich immer weiter, mehr und mehr, von mir wegbewegst. Der Abend bei einer Freundin war eigentlich lustig. Nur all das Rundherum, was in meinem Kopf herumspukte, die Gedanken, der Unmut, der Ärger … ich wusste schon vor diesem gemütlichen Zusammensitzen, dass dieser Abend beschissen enden wird. Ich komme damit einfach nicht zurecht.

Der Weg zu unserer Abendunderhaltung war lang, kalt, dunkel und gruselig. Doch wir waren ja nur Freunde. Kein Händchen halten, keine Küsse während dem gehen, kein gegenseitiges Wärmen. Aber ich wollte dich doch so gern küssen. Mich mit dir in die, fast von der Kälte gefrorene, Wiese fallen lassen. In die Sterne sehen, und mir mit dir eine wunderschöne Zukunft ausmalen.

Vorher war ich mit zwei meiner besten Freunde, einem Paar, im Kino. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie beschissen all das gelaufen ist, kann man, denke ich, keinen Film wirklich genießen.

Ich hatte nur wenig Zeit darüber nachzudenken, ich kam heim und war auch schon wieder auf dem Weg ins Kino. Ich konnte dir nur schnell meine Gedanken schreiben. Und das auch nur in der Form eines kleinen Gedichts. Ich hätte dir so viel zu sagen. Aber ich wurde noch nicht einmal mit dem Denken fertig.

„Also ich finde es scheiße“ … das war meine erste, und spontane Reaktion, als ich begann, richtig darüber nachdzudenken. Unser Gespräch, in dem du mir erklärtest, dass du mich wahrscheinlich zurzeit mehr als besten Freund beanspruchst, als als Freund. Ich weiß, dass man beides verbinden kann. Aber irgendwie versuchten wir es, einmal nur beste Freunde zu sein. Anfangs dachte ich, dass das ja gut gehen könnte. Aber nachdem ich das erste Mal darüber nachdachte, kam es eben zu dieser Reaktion.

Der Tag hatte ja eigentlich gut begonnen … der Vormittag war so unglaublich. Wir waren frühstücken, erledigten den ersten nachweihnachtlichen Einkauf und saßen am See, an unserem See, dem wunderschönen Traunsee. Doch ich wusste, du wolltest reden. Du hast es ja selbst angekündigt. Aber ich habe es so gut wie möglich hinausgezögert. So wie du.

Wir glaubten, uns könnte eigentlich nichts passieren …

Wir weichen normalerweise unseren Problemen aus. Dieses Mal taten wir das nicht. Daran wäre unsere Beziehung fast zerbrochen. Doch wir vertrauen auf unsere Beziehung. Wir geben unseren Gefühlen nach. Wir lieben uns.

Ich freue mich schon wieder auf dein Gesicht. Deine Augen. Deinen Körper. Auf den nächsten Kuss.

Selbst mit einem, von Tränen befeuchtete, Gesicht sehe ich in dir das wunderschönste Wesen der Welt.