Von uns, dem Wetter, dir und mir.

1 | Von uns,

Langsam streichst du mir mit deiner Hand über den Rücken. Es ist still hier. Es ist still und wir beide stehen hier und dein Atem bläst unabsichtlich einige meiner Haare weg. Ich spüre meine Beine  nicht mehr und spüre mein Herz. Spüre mein Herz, wie es ganz fest pocht in meiner linken Brust und wie es ganz laut pocht in meinem Kopf. Du streichst immer noch, ganz sanft, die Wirbelsäule entlang. Mein Kopf ruht auf deiner Schulter. Ich rieche deine Haare, deinen Duft. Und will dich in genau diesem Moment nie wieder loslassen.

2 | dem Wetter,

Es donnert und ich lächle. Und die riesigen Regentropfen klopfen an mein Fenster, wie Finger, die hilflos über den Tisch tapsen. Hie und da fährt noch einer dieser postmitternächtlichen Güterzüge vorbei und bremst nur ein paar Meter vor meinem Fenster, nur um Sekunden später wieder von Null weg loszufahren. Es blitzt. Den ganzen Abend blitzt es schon. In meinem Zimmer ist es ungewohnt ruhig und unpassend dunkel. Unter der Bettdecke kauere ich, lausche dem Regen, wie er immer noch versucht etwas Rhythmisches in mein Leben zu bringen. Nur eines fehlt hier, schon den ganzen Abend. Eines fehlt. Es hat die ganze Zeit kein einziges Mal gedonnert.

3 | dir

Du hast dich nicht gemeldet, und ich habe mir nichts anderes erwartet. Nichts anderes erwartet, von mir, der so sehnsüchtig und wunderbar kindisch auf irgendein Lebenszeichen von dir gehofft hat. Immer nur dieses dumme Vor-sich-Hinstarren, auf das Handy. Und es vibriert nicht. Und dann wache ich auf, irgendwann am späten Morgen und wieder ist nichts von dir da. Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht, habe mich zu sehr hineingesteigert. Habe zu viel Herzblut in etwas hineingelegt, was es nicht verdient hat. Und die wirst dich wohl auch nicht mehr melden.

4 |  und mir.

Die Wiese am See füllt sich immer mehr mit Menschen, die sich manchmal nur sonnen wollen. Andere sind auch schon so lebensmüde und hüpfen in das immer noch eiskalte Wasser und wieder andere werfen sich jede mögliche Form eines Balls zu. Ich sitze hier, trinke Bier, und warte. Bis es wieder leerer wird, bis irgendwann beinahe nur mehr meine Freunde und ich übrig bleiben. Und wir zum Steg gehen, die Füße baumeln lassen und Steine hineinwerfen, nur um zu beobachten, welcher die größten Wellen schlägt. Es ist gut so. Das Wetter, wir, ich. Nur du.

Foto: dichohecho

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About the author

Sophia Bennett is an art historian and freelance writer with a passion for exploring the intersections between nature, symbolism, and artistic expression. With a background in Renaissance and modern art, Sophia enjoys uncovering the hidden meanings behind iconic works and sharing her insights with art lovers of all levels. When she’s not visiting museums or researching the latest trends in contemporary art, you can find her hiking in the countryside, always chasing the next rainbow.