Losing all my words.

Drei Entwürfe vom 22. Februar 2011, die nicht veröffentlicht wurden. Alle mit demselben Titel.


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(1)

Damals, als in meinem Kopf all die Geschichten entstanden. Von verlorenen und wiedergefundenen Lieben, vom Überfahren eines Rehs, von einer Leiche im Schnee. Damals, als ich jeden Gedanken, jede Sekunde meiner Fantasie beschreiben musste. Nicht verlieren wollte, was in meinem Kopf passierte. Damals, als ich immer ein kleines Notizbuch bei mir führte und nur kurze Ideen niederschrieb, die dann zu großen Geschichten wurden. Das Schreiben war meine Waffe, war mein Rückzugsort. Wurde mir in dieser Welt alles zuviel, zog ich mich zurück, in die Welt, wo nur ich und meine Fantasie zuhause sind. Wo man niemanden etwas erklären, keinem etwas beweisen musste. Das Schreiben war wie eine Droge.

Und dann kamst du.

(2)

Und dann kommst du. Nimmst mir all die Worte, nimmst mir Raum für irgendwelche Ausflüchte. Konfrontierst mich seit ewiger Zeit endlich wieder einmal mit dem echten Leben und zeigst mir die schönen Seiten. Meine Gedanken bauen Luftschlösser um dich herum, lassen mich so furchtbar oft von dir träumen. Bis schließlich die Zweifel wieder einkehren und all das wieder einzubrechen versuchen. So geht es mir seit Wochen und seit Wochen baue ich nur kurz darauf schon wieder alles auf.

Weißt du, was du mir gibst? Das Gefühl, hier, gerade jetzt, genau richtig zu sein. Du lässt mich fühlen, dass ich richtig fühle. Dass dein Lächeln für mich bestimmt ist, und dieser eine Song jetzt gerade läuft, weil wir ihn beide so gerne haben. Dass das alles nicht nur eine kurze Vernarrtheit ist, sondern ich so unglaublich gerne in deiner Gesellschaft bin. Dass du mir etwas bedeutest. Du gibst mir das Gefühl, die Tage endlich wieder in vollen Zügen zu genießen.

Und da ist es mir auch einfach mal egal, wenn mir die Worte fehlen. Wenn du mich sprachlos machst, like no one ever did before. Wenn ich so gerne einfach deine Hand nehmen möchte, meinen Arm um dich legen, dich küssen. Dir sagen, wie viel du mir bedeutest, und erklären, dass es genau so richtig ist.

(3)

Du machst mich sprachlos.

Wenn ich neben dir sitze, oder dir gegenüber, wenn wir nebeneinander gehen oder gemeinsam im Auto sitzen. Wenn nur eine dicke Lehne in einem halbleeren Kinosaal uns trennt. Oder wenn du ein paar Reihen vor mir im Hörsaal sitzt, oder doch ich. Wenn du mir aus deinem Leben erzählst, dich öffnest, mir Geheimnisse offenbarst, du einfach du bist. Und wenn wir zu zweit Punsch trinken, und ich dir so gerne alles sagen würde, was seit Wochen und nun schon Monaten in meinem Kopf herumschwirrt.

Du machst mich sprachlos.

Wenn ich mit Chai Latte und einem Blueberrymuffin vor deiner Tür stehe und wieder einmal nicht anläute, weil ich deinen WG-Mitbewohner nicht kenne und wohl auch nicht kennenlernen möchte, und wenn du dann den Weg zur Tür gehst und ihn mit einem Lächeln öffnest. Wenn wir dann Smalltalk betreiben. Der in Wahrheit viel mehr ist. Und ich den ganzen Tag über in einem Workshop sitze, mitzuprotokollieren versuche und mich immer wieder dabei erwische, wie ich für einen kurzen Moment mit dir in einen Tagtraum flüchte.
Du machst mich sprachlos.

Wenn ich dich am Ende einer großartigen Ballnacht die letzten paar Meter und Stufen zu deiner Wohnung Huckepack trage und du mit einer solchen Zärtlichkeit, einer so wunderbaren Berührung, deinen Kopf auf meine Schulter legst und ich für diesen einen Moment am Liebsten alles vergessen würde, die Welt um uns herum könnte verschwinden. Und ich dann wie in Trance den Weg zu mir nach Hause bestreite.

Du machst mich sprachlos.

Dankeschön dafür.

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