Das Glas Wein.


AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by M N O’Donnell

Als mir das Glas Wein aus der Hand fällt, tickt die Uhr eine weitere Sekunde vor sich hin. Es ist still, selbst die Playlist aus meinem Notebook scheint an Klang verloren zu haben. Es ist dein Gesicht, es sind deine Augen, die mich erstarren lassen. Deine Hand, die sich an mir hält, die Halt bei mir sucht. Deine Tränen, Tränen der Rührung und Tränen der Freude. Die du vergießt, und die mich sprachlos werden lassen. Wir stehen hier schon einige Zeit so rum, nippten zuvor recht ungekonnt am überteuerten und immer noch ekelhaften Blauen Zweigelt, der mir nie schmecken und dir zu viel werden wird.

Das Glas zerschellt am Boden, viele kleine und so manch großer Splitter verteilen sich auf ihm. Der Rotwein sucht seinen Weg und ich wanke zurück. Selbst die Wand ist mit dunkelblauen Flecken übersät und ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einen Moment das Glas zu locker in der Hand gehabt zu haben. Du schweigst und ziehst mich fort. Weg von diesem Massaker, diesem Kriegsgebiet, diesem Unfallort. Wir lassen uns fallen, lehnen uns gegen die Wand, setzen uns hin. Du weinst, immer noch und innerlich schluchze ich mit. Möchte, dass es weggeht und mit ihm der Wein. Möchte dass es schön ist, und möchte dein Lachen in meinen Ohren hören. Doch ich spüre nur den salzigen Geschmack, als ich deine Wange küsse. „Schön, dass du da bist.“, sagst du. „Alles wird gut.“, träume ich.

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