Alleine.

„Wir werden immer alleine sein.“, flüstert sie in mein Ohr und ich will nicht begreifen, was sie mir damit zu sagen gedenkt. Doch meine Gedanken spinnen sich ihren Weg und ich lasse mich mitreißen, von dieser Ahnungslosigkeit, von dieser Aussichtlosigkeit. Will vergessen was war, und begreifen, was schlussendlich ist. Aber im Grunde ist es vollkommen irrelevant, wie man hierher gekommen ist. Hier, zu diesem Punkt, an dem die wortlose Sprache zu überwiegen droht.

Wie lange ist es eigentlich her, seit ich damals, seit wir. Seit wir uns kennengelernt haben, uns das erste Mal sahen? Vielleicht ein paar Monate, vielleicht ein halbes Jahr, keine Ewigkeit. Nichts Gröberes, nur etwa ein paar hundert Tage. Damals, in diesem Zug, in einem dieser Züge.

„Mein Name ist Noah.“, werfe ich in einen Dialog ein, der gerade sein Ende zu finden scheint. Die junge Frau mir gegenüber steht plötzlich auf, kurz bevor der Zug seinen Stillstand findet, grinst mir zu, nimmt ihre Leinentasche und meint nur ein leises „Tschüss, Noah.“ Und schon ist sie weg. Ist weg, so schnell und leise, wie sie auch in meinem Leben aufgetaucht ist.

[aus: Volle Distanz. Näher zu dir. Kapitel 1 „Heimat“]

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