Die Welt und ihre Fugen.

Foto: guen-k | flickr

Wenn man, noch im Bett liegend, kurz die Twitternachrichten von gestern Nacht überfliegt, und einem die Gänsehaut überkommt. Man hoch geht, sich auf die Couch setzt und statt Serien nur mehr ORF, NTV, N24 und Phoenix sieht. Und immer nur hofft und immer nur wünscht, dass es nicht passiert. Das Japan von heute ist das New York von damals.

Von damals, 2001. Ten years ago. Als ich mit meinem Papa zum ersten Mal in Wien war, und wir am Heimweg im Zug plötzlich davon erfuhren. Von Flugzeugen und Hochhäusern, von springenden Menschen und möglicherweise 30.000 Toten. Von Terror und Verzweiflung. Mit meinen dreizehn Jahren damals waren die Fernsehbilder, die Wochen voll einstürzender Bauten, voll in den Tod springender Menschen, voll von Staub bedeckten Gesichtern hochinteressant. Immer und immer wieder diese Bilder, nichts Neues, nur, dass nun ein Land, das normalerweise immer einen Kommentar auf den Lippen hatte, plötzlich schwieg. Das war für mich der erste Moment, an dem ich mir dachte: Fuck, Leute. Heute ist die Welt, die meine, heute ist meine Welt aus den Fugen geraten.

Das Behütete war weg. Die Zuckerkruste rund um alles drumrum war verschwunden. Da starben Menschen, sprangen in die Tiefe. Das ist das Leben. Willkommen, Dominik. Willkommen in einer Welt, wo genau so etwas jederzeit passieren kann. Verdammt, Leute. Das war nicht leicht zu akzeptieren, wisst ihr?

Das Japan von heute ist aber schließlich doch anders. Damals, in New York, war es Terror und das Resultat entstand innerhalb weniger Stunden. In Japan war zuerst die Natur, die ihres dazu beitrug, 8,9 auf der Richterskala, dann der Tsunami, der alles mitriss. Zehntausende Menschen sind möglicherweise tot. Aber das Schlimmste wäre der Super GAU von dem die ganze Welt gerade spricht. Tschernobyl habe ich um 2 Jahre verfehlt, über die Folgen hört man aber selbst heute noch furchtbare Geschichten.

Und so sitzt man vor dem Fernseher, will nicht, dass irgendetwas passiert. Wünscht sich, dass die Leute dort ihre AKWs wieder in den Griff bringen. Denkt über Fugen nach und über die Welt. Über tektonische Verschiebungen und eine abgeänderte Erdrotation. So richtig rund läuft es wohl wirklich nicht für unsere Welt. So wirklich rund nicht.

Aber die Welt und ihre Fugen müssen auseinandergeraten. Um Menschen wieder näher zusammenrücken zu lassen, um Hilfsbereitschaft wieder zur großen Tugend werden zu lassen. Oder zumindest, um auf genau das hoffen zu können.

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