„Freundschaft“, unser Luftschloss.

Richtung Ebensee. 09012011

„Ich hasse deine Ehrlichkeit, weißt du.“

Das Ende eines Streits, der eigentlich keine war aber schon längst einer hätte sein sollen. Mit deiner Ehrlichkeit hast du schon so manches in mir zerstört. Den schönen Gedanken an diese eine Nacht, zum Beispiel. Und jetzt versuchst du, Ziegel für Ziegel, dieses kleine schöne Luftschloss auseinanderzunehmen, für welches wir uns den Namen „Freundschaft“ überlegt haben. Es hat weite Kreise gezogen, selbst Wikipedia weist heute schon einen Artikel unter diesem Namen auf.

Du machst dir Gedanken, sagst du. Mach dir keine, wünsche ich mir. Es ist vieles passiert, was so nicht hätte passieren sollen, aber es ist ganz einfach passiert. Du weißt genauso gut wie ich, dass es keinen „Zurück“-Button in unseren Leben gibt, und dass wir immer nur versuchen müssen, mit dem Geschehenen klar zu kommen. Dem verweigerst du dich. Für mich wäre es kein Problem.

Und so zerstörst du Dinge, die ich für unzerstörbar hielt. Du verletzt mich in einer Art und Weise, wie ich es von jedem anderen, nur nicht von dir erwartet hätte. Und was bleibt mir da nur anderes zu tun, als mich nicht darauf einzulassen? Ja, auch ich mache mir Gedanken, es tut mir weh, dass es so kommen musste, aber du lässt mir keine andere Wahl. Es ist schwer für mich, und es ist etwas, was ich immer vermeiden wollte, aber es geht ganz einfach nicht.

Wenn du unserer „Freundschaft“ nach und nach die Ziegeln rausziehst, mit Gewalt und einer Ehrlichkeit, die zum Himmel schreit. Du meinst, dass ich etwas von dir erwartet hätte, was du nicht bist. Um jetzt auch einmal ehrlich zu sein: was ich wollte, was ich brauchte, was ich dachte, du wärst es … eine Freundin. Eine Freundin, mit der man über alles reden, an deren Schulter man sich ausheulen, der man von den neuen Verliebtheiten erzählen, mit der man am Balkon sitzen, rauchen und auch einfach nur mal ausgiebig schweigen kann. Aber nach all dem, was du mir in deiner Ehrlichkeit untergejubelt hast, bleibt wohl nur die Tatsache, dass unsere Freundschaft auf einer Lüge basierte.

Und das ist kein schönes Gefühl, weißt du? Einen Menschen, den man so sehr ins Herz geschlossen hat, mit dem man viel Scheiße, aber auch viel Wundervolles getan hat, einfach aufzugeben. Aber du lässt mir keine andere Wahl. Ich habe Freunde, mit denen ich durch Dick und Dünn gehen, mit denen ich – wie sagt man so schön? – Pferde stehlen kann. Und außerdem habe ich auch sonst so viel um die Ohren, und noch dazu auch keine Lust an irgendetwas zu arbeiten, was nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Ich würde nicht nachkommen, unser Luftschloss wieder aufzubauen, weil du so unnachgiebig mir die Ziegel entziehst.

2 thoughts on “„Freundschaft“, unser Luftschloss.”

  1. Ich bin hier durch Zufall gelandet, aber der Inhalt dieser Seite ist wirklich sehr schön. Er bewegt einen zum Nachdenken, was eine wahre Freundschaft wirklich ausmacht. Ich mag es, wenn Leute zum Nachdenken angeregt werden…

  2. Das geht mir genauso – gerade in der heutigen Zeit, wo alles nur noch oberflächlich und stumpfsinnig ist, erfrischt es, mal etwas für die grauen Zellen zu lesen, worüber es sich nachzudenken lohnt.

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