Sommermorgensonne.

Die Schuhe in der einen Hand, dich neben mir. Gehen wir langsam und die unsicher richtige Richtung. Wir wollten ja eigentlich mit dem Bus fahren, aber scheinbar ist die Stadt zu blöd dafür. Es ist schon wieder Morgen und die Sonne kommt da hinten, drei, vier, fünfzehn Ampelkreuzungen später irgendwo hoch und deckt diesen Teil dieser unbekannten Stadt in ein ganz besonderes Ambiente.

Wir reden über Gott und die Welt. Okay, in Wahrheit: Kein Gott, dafür ganz viel Welt. Die Welt mit uns und um uns und die ganze Scheiße dieser Welt, und unsere Scheiße. Und während die ganze Nacht eigentlich wunderbar warm war, kühlt es jetzt, unverständlicherweise wieder ab. Wir sind uns immer noch nicht sicher, ob das hier der richtige Weg ist. Der Sonne entgegen kann aber doch nie falsch sein.

Das Leben und die Liebe. Unser immer wiederkehrendes Thema, all die vielen Jahre, die wir uns jetzt schon kennen, und all die vielen sonnenaufgangsgetränkten Morgen, die wir leicht betrunken nach Hause getorkelt sind. Wir sind älter geworden, viel älter. Wir haben vieles erlebt, und auch vieles verloren. Wir haben wunderbare Hochs gehabt, und atemraubende Tiefs. Und dann gehen wir hier heute, nebeneinander, und reden von eben diesem einen Thema. Liebe.

Und wieder einmal merke ich, dass wir uns nicht verändert haben. Die Antworten klingen zwar klüger, die scheinbare Abgebrühtheit wurde amateurhaft antrainiert. Aber im Grunde genommen haben wir die selben Probleme wie vor fünf Jahren. Haben die selben Gedanken, die gleichen Gefühle. Und sind immer noch unfähig, die richtige Entscheidung zu treffen. Oder selbst herauszufinden, was denn nun die Richtige sei.

Während die Sonne von Minute zu Sekunde immer höher steigt, möchte ich mich ganz einfach auf den Randstein des Gehwegs setzen, die Beine von mir gestreckt, und mir mit dir das Aufwachen des großen orangegelbroten Kolosses ansehen. Und vielleicht auch einfach nur schweigen. Einfach nur da sitzen und nichts tun. Und irgendwann, das sag‘ ich dir, wird es verschwinden. Die Angst vor dem Unüberwindbaren, die Komplexität der Kompliziertheit, deine und meine Probleme. Daran glaube ich, ganz fest. Ganz, ganz fest.

Es war schön hier, der Weg hier. Mit dir hier. So enden sie am Besten, die Freitag- oder Samstagsabende. Irgendwann am späten Vormittag des Folgetages. Irgendwo in einer fremden Stadt, in einem Studentenheimzimmer mit 8 Leuten, die quer am Boden verstreut zu schlafen versuchen. Und es war mir wirklich eine Ehre, mit genau dir das erste Mal bei McDonalds zu frühstücken und mit genau dir unabsichtlich unseren Eistee über die ganze McDo-Theke auszuschütten. Du wirst mir fehlen, wenn die jetzt knapp ein Jahr einfach weg bist, weißt du. Deshalb müssen wir noch so viele Sonnenaufgänge sehen, so viel reden und irgendwann den Fast-Food-Videoabend machen. Eindeutig!

Flickr: nateOne
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2 thoughts on “Sommermorgensonne.”

  1. mal wieder was sehr, sehr schönes. das ruft erinnerung wach. an eigene spaziergaenge im sonnenaufgang, immer der sonne entgegen und mit pausen, die man redend und genießend auf der buergersteigkante verbrachte.

  2. Ein bisschen erinnert es mich auch an eigene Gedanken, Gefühle — Vergangenheit (hoffentlich bald wieder mal Gegenwart). Ich mag die Leichtigkeit der Worte, das bisschen Kitsch ist auch okay. Hochgefühle neigen einfach dazu die Worte in Zucker zu hüllen.
    Genieße die Momente.

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