Der Schlag ins Gesicht. Aber so richtig.

Niemand wird sich mehr an diesen einen Eintrag erinnern: We used to be friends befasste sich mit einem Menschen, der in der ersten Klasse Gymnasium zu meinem besten Freund (zumindest was man zu dieser Zeit und in diesem Alter darunter bezeichnete) wurde, und dann wieder wegzog. Seine Geschichte ist schräg, brutal, hart. Mir wäre all das viel zu heftig, was ihm passiert ist. Und ihm war es das schlussendlich auch.

Vor – was weiß ich – zwei Wochen (oder so) warf er sich vor einen Zug oder legte sich auf die Schienen. Ich will keine genauen Einzelheiten haben, mir hat allein schon die Nachricht, dass er das war, zutiefst hinuntergerissen. Er lebte ja seit Jahren wieder hier, wir waren uns wieder einige Male begegnet. Er, immer mit seinem typischen Lächeln, welches er schon als 10 oder 11-Jähriger hatte, und welches mich ungeheim mitriss und mein Gemüt erhellte. Er sitzt nun im Krankenhaus, Bereich Psychiatrie. Der Zug hat ihm einen Arm zerstört, sodass er amputiert werden musste, sein Gesicht ist verletzt.

Es war hart, als diese Person, dieses unpersönliche Wesen, welches Selbstmord begehen wollte, kein Unbekannter mehr war. Sondern eine Person, die ich noch wenige Tage zuvor am See gegrüßt habe. Ein Mensch mit Namen, und mit einer Geschichte, in der auch ich kurz einmal vorkomme. Es war ein Schlag ins Gesicht, als ich diese Nachricht während meines Urlaubes erfuhr. Jeder kannte ihn übrigens irgendwie.

Und ich dachte mir immer nur, was gewesen wäre, wenn wir uns in diesen frühen Jahren nicht aus den Augen verloren hätten. Wenn wir jetzt noch Freunde wären, womöglich beste Freunde. Und besonders brutal wirken nun die Worte aus meinem alten Text: Ich hätte dich vielleicht davor bewahren können.

Ja, verdammt.
Vielleicht hätte ich das.

3 thoughts on “Der Schlag ins Gesicht. Aber so richtig.”

  1. So darfst du nicht denken. Selbstvorwürfe bringen nichts. Du hast ja nicht Schuld daran, dass ihr immer weniger miteinander zu tun hattet. Jeder muss schließlich seinen eigenen Weg gehen… oftmals ohne frühere Freunde.
    Glaub mir, meine beste Freundin hat vor einpaar Jahren auch versucht sich umzubringen und ich war die letzte, mit der sie wenige Minuten zuvor noch gesprochen hat. Solche Erfahrungen prägen einen, aber mit der Zeit lernt man damit umzugehen und sie zu verarbeiten.
    Es ist eine tragische Geschichte, die du mitbekommen hast, aber sich die Schuld zu geben, kann nun auch nichts an der Situation ändern. Jetzt ist Beistand und Hilfe leisten angesagt, sodass dein Freund zu neuem Lebensmut findet.

  2. Der Selbstvorwurf ist der größte Fehler, den man hier machen kann. Ich hab mich zusammen mit einem Freund und meinem Bruder vor ein paar Wochen an mehrere Bekannte erinnert, die alle in Drogen-, Gewalt- und Alkoholprobleme abdrifteten. Manche haben den Weg zurück geschafft, einige sind schwer gezeichnet. Einer sitzt im Gefängnis, einer hat sich totgesoffen.
    Alles waren Freunde, und so gern man an die Zeit zurückdenkt, in der alles unbeschwert war, muss man doch erkennen, dass die Veränderung, so gerne man sie auch verhindert wollte, passiert ist.
    Man verliert sich aus der Augen, man verändert seine Prioritäten. Freunde sind zwar da um auf sich aufzupassen, aber nicht um jegliche Selbstverantwortung zu streichen. Wenn es nicht in deinen Möglichkeiten lag ihm zu helfen, dann trifft hier niemanden eine Schuld.

    Der Umstand aber, dass er das getan hat, ist sehr tragisch. Wir können immer nur auf das zurückblicken was wir getan haben und wofür wir uns entschieden haben. Mit dem, was wir dadurch erlebt haben müssen wir leben. Und anhand der Erfahrungen entscheiden wir jeden Tag neu was wir tun.

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